Wildon - 6000 Jahre Geschichte - Kurzüberblick
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Vorgeschichte:
Erste Dörfer standen bereits um das Jahr 4000 vor
Christus, in der Jungsteinzeit, an der strategisch günstigen Stelle im
Mündungsgebiet von Kainach und Mur.
Ortsname:
Der Ortsname ist in seiner Bedeutung nicht wirklich
entschlüsselt. Die Möglichkeiten sind zum Beispiel
“fialdunum", “bilo donje" oder “Wilde".
Die Burgen und seine Bewohner:
Seit dem 12. Jahrhundert folgten der Hengistburg mehrere
nebeneinander bestehende Burgen nach.
Der Markt:
Erstmalige urkundliche Nennung im Jahre 1219.
Das Wappen:
Verleihung an die Bürgerschaft 1544.
Die Pfarre:
Die Pfarre Wildon wird erstmals im Jahr 1252 genannt.
Handel und Verkehr:
Wildon ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt mit Brücken über Mur
und Kainach. Die Anbindung an wichtige Verkehrsadern ist durch die
Eisenbahn, Autobahn und auch den nahen Flughafen bestens gegeben.
Die Wirtschaft wird von mittleren und kleinen Gewerbebetrieben
geprägt.
Schulen:
Seit dem 16. Jahrhundert gibt es in Wildon Schulen.
Derzeit werden insgesamt 4 öffentliche Schulen und ein Kindergarten
mit zwei Gruppen betrieben.
Die Entwicklung bis heute:
In den Jahrzehnten des Wiederaufbaues wurde viel in den Aufbau einer guten Infrastruktur
investiert. Derzeit legt man großen Wert auf die Erhaltung der Wohnqualität
und die Festigung des zentralen Versorgungsortes.
Langfassung der Wildoner Geschichte
Siedlungsgeschichte ab der Steinzeit
Vorgeschichte:
Erste Dörfer standen bereits um das Jahr 4000 vor Christus, in der
Jungsteinzeit, an der strategisch günstigen Stelle im Mündungsgebiet
von Kainach und Mur.
Der Wildoner Schloßberg am Zusammenfluß im Mündungsgebiet von
Kainach und Mur und der dahinter liegende mächtige Buchkogel und
Bockberg (zusammen früher “Hengst" genannt) waren wegen ihrer
günstigen strategischen Lage beliebte Siedlungsplätze, seitdem der
Mensch im Gebiet der heutigen Steiermark seßhaft wurde.
Um das Jahr 4000 vor Christus, in der Jungsteinzeit, standen hier
bereits die ersten Dörfer und in den folgenden Epochen nahm die
Siedlungstätigkeit noch zu.
Aus der späten Urnenfeldzeit stammt ein Gräberfeld, das vor kurzem
in der Nähe der Hauptschule Wildon entdeckt wurde.
Zahlreiche Funde wie Steinbeile, Keramikgefäße, Tonwerkzeuge und
Grabbeigaben sind im Museum im Schloss Wildon zu
sehen.
Der Ortsname "Wildon"
Der Ortsname Wildon ist in seiner Bedeutung nach wie vor nicht
wirklich entschlüsselt.
Die Möglichkeiten reichen von Keltisch “fialdunum" (gastfreundlicher Ort) über das slawische „bilo donje" (Ort auf halber Höhe) bis zur “Wilde" (die mittelhochdeutsche Bedeutung für Stute) die die Pferdefamilie mit dem größten Berg “Hengst" und dem kleinsten “Ful" (Fohlen) vervollständigen würde.
Die Burgen und ihre Besitzer
Seit dem 12. Jahrhundert folgten der Hengistburg mehrere
nebeneinander bestehende Burgen nach.
Im Frühmittelalter, um das Jahr 1000 nach Christus, lag die Hengistburg,
das Zentrum der damaligen Mark an der mittleren Mur,
wohl ebenfalls am Wildoner Schloßberg. Sie sollte die Grenze zum
Osten sichern.
Seit dem 12. Jahrhundert folgten der Hengistburg mehrere
nebeneinander bestehende Burgen nach.
Das landesfürstliche Lehen Altwildon (erstmals erwähnt 1173), Sitz
des angesehenen und mächtigen Geschlechtes der Herren von Wildon,
die erzbischöflich-salzburgische Burg Neuwildon am Plateau sowie
das Haus Ful und der Turm Hengst auf halber Höhe sperrten den Weg
vom Grazer Feld in das Leibnitzer Feld.
Als Marschälle der Steiermark führten die Wildonier im Kriegsfalle
das steirische Aufgebot an, so im Jahre 1260, als es in der Schlacht
von Kroissenbrunn gegen die Ungarn ging und der alte Ulrich von
Wildon das steirische Landesbanner führte. Es wird bei dieser
Gelegenheit überhaupt erstmals schriftlich erwähnt.
Damals hatten die Wappenfarben der Wildonier - Weiß und Grün - bereits die alten Landesfarben der Steiermark - Schwarz und Weiß - verdrängt.
Leutold I. von Wildon gründete 1229 das Augustiner-Chorherrenstift
Stainz.
Herrand II. von Wildon war um die Mitte des 13. Jahrhunderts
nicht nur mächtiger Landespolitiker, sondern auch als Minnedichter sehr bekannt.
Nach einem Aufstand gegen den Landesfürsten verloren die Wildonier
ihren Stammsitz, der als landesfürstliche Herrschaft Oberwildon
durch Pfleger verwaltet oder an Adelige verpfändet wurde.
1624 verkaufte Kaiser Ferdinand II. die Herrschaft an die Eggenberger.
Mit der Herrschaft war ein ausgedehntes Landgericht verbunden, das
sich über große Teile der Weststeiermark erstreckte.
Seit dem 18. Jahrhundert wechselten die Besitzer häufig.
Bewohnt wurde im wesentlichen das “Freihaus" oder Untere Schloß Wildon im
Markt - später Landessiechenhaus für Mittelsteiermark und dann Hauptschule, heute Hauptplatz 55.
1997 wurde die grundlegende Restaurierung des bereits in schlechtem
Bauzustand befindlichen Unteren Schlosses eingeleitet und mit der
Übersiedlung des Gemeindeamtes, dem Ausbau eines Kulturzentrums
und der Errichtung eines Museums soll die künftige Nutzung gesichert sein.
Die Burgen am Schloßberg jedoch wurden Ruinen und im
19. Jahrhundert zunehmend als Steinbruch verwendet.
Der Markt Wildon
Die vermutlich von den Wildoniern gegründete Burguntersiedlung Wildon wird erstmals 1219 urkundlich erwähnt und erhielt noch Anfang des 13. Jahrhunderts Marktrechte.
Damit war das Recht zur Ummauerung und zur Abhaltung von Wochen- und Jahrmärkten verbunden.
Zwei Tore schlossen den Markt nach außen sicher ab, so daß kaiserliche Truppen in der Baumkirchnerfehde um 1470 Wildon ein Jahr lang belagern mußten, ehe es erobert werden konnte.
1850 entstand Wildon als selbständige Ortsgemeinde.
Die damals selbständige Nachbargemeinde Unterhaus, eine rein agrarisch strukturierte Gemeinde, wurde 1955 nach Wildon eingemeindet.
Die Pfarre Wildon wird erstmals im Jahr 1252 genannt.
Die Pfarre Wildon unterstand lange Zeit ihrer Mutterpfarre
St. Lorenzen am Hengsberg. Dem Pfarrer von Hengsberg unterstand ein Vikar in Wildon.
Die Kirche ist der heiligen Maria Magdalena geweiht und besitzt trotz
barocken Umbaues in den Jahren 1671 bis 1676 noch eine gotischen Kern.
Bis 1831 umgab ein Friedhof die Kirche auf dem auch eine Kirche "Zur heiligen Katharina" stand, die allerdings bereits Ende des 17. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Der Friedhof wurde damals nach Kainach bei Wildon verlegt.
Mehr finden Sie auch im Wikipedia Eintrag zur Pfarre Wildon unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Pfarrkirche_St._Magdalena_(Wildon)#Geschichte_der_Pfarre_Wildon
Das Leben der Wildoner Bürger
Wildon ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt mit Brücken über Mur und Kainach.
Die Anbindung an wichtige Verkehrsadern ist durch die Eisenbahn, Autobahn und auch den nahen Flughafen bestens gegeben. Die Wirtschaft wird von mittleren und kleinen Gewerbebetrieben geprägt.
Die Wildoner Bürger trieben Handel und hatten die unterschiedlichsten Gewerbe (Seiler, Schuster, Schneider, Tischler, Gerber, Fleischer, Gastwirt, Rauchfangkehrer usw.), führten jedoch fast immer eine Landwirtschaft nebenbei.
Heute sind die mittleren und kleineren Gewerbebetriebe, neben drei größeren Industriebetrieben, dominierend.
Landwirtschaftsbetriebe gibt es heute nur noch wenige.
Die Brücken über Kainach und Mur ließen den Markt, der ja direkt an der Haupt- und Kommerzialstraße nach Triest lag, eine wichtige Verbindungsfunktion im Verkehrsnetz einnehmen. Seinerzeit wurden hier auch Mauten eingehoben, zB im ehemaligen Mauthaus der Eggenberger, heute Unterer Markt 25.
Flößerei und Schiffahrt auf der Mur brachten weitere wirtschaftliche Impulse, allerdings auch große finanzielle Opfer, weil umfangreiche Uferschutzbauten an den Flüssen notwendig waren.
Unterbrochen wurde die wirtschaftliche Entwicklung Wildons durch mehrere Feuersbrünste (1461, 1624, 1727 und 1804) und die grassierende Pest (1583,1586, 1633 und 1634).
1680 blieb die Bürgerschaft von der Pest verschont und errichtete zum Dank die
Mariensäule (Pestsäule) am Hauptplatz.
Zwischen 1796 und 1809 zogen mehrmals die französischen Besatzungstruppen durch Wildon.
Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts forderten auch unter den Wildonern zahlreiche Opfer.
Nach 1945 gehörte das Gemeindegebiet zunächst zur sowjetischen, sodann zur britischen Besatzungszone.
Der ursprünglich so wichtige Durchzugsverkehr entwickelte sich nach 1945 zur teilweise negativen Belastung, führte doch die sogenannte „Gastarbeiterroute" durch den engen Markt.
1974 macht die Wildoner Bevölkerung auf diesen Mißstand durch Straßenblockaden und Demonstrationen aufmerksam und beschleunigte damit den Ausbau einer Umfahrung und später der Phyrnautobahn A9.
Durch die Anschlußstelle an die Autobahn und den Ausbau der Straßen in den Osten der Steiermark ist allerdings wieder eine deutliche Zunahme des Durchzugsverkehrs zu registrieren.
Von den Vertretern der Marktgemeinde Wildon wurde die Erstellung eines überörtlichen Entwicklungskonzeptes angeregt, bei dem auch ein Konzept für die wirkungsvolle Verkehrsentlastung für den Ortskern entstehen soll.
Die Erreichbarkeit internationaler Wirtschaftszentren ist andererseits durch die Autobahnanschlußstelle, die Südbahn aber auch durch den nur 15 Kilometer entfernten Flughafen positiv zu bewerten.
Schulwesen
Derzeit werden insgesamt 4 öffentliche Schulen und ein Kindergarten betrieben.
Die ersten Nachrichten über eine Schule datieren aus dem 16. Jahrhundert. Es war dies eine Pfarrschule, die 1869 mit dem Reichsvolksschulgesetz in staatliche Verwaltung überging.
Zur gleichen Zeit stiftete ein Privatmann eine Mädchenvolksschule, die jedoch hundert Jahre später in eine normale Volksschule umgewandelt wurde.
Erst 1998 wurden beide Volksschulen vereinigt.
Die Hauptschule, eingerichtet 1945, war zuerst im ehemaligen Landessiechenhaus (vormals Freihaus oder Unteres Schloss, heute Hauptplatz 55) untergebracht.
1961 übersiedelte die Hauptschule in Neubau, heute Alte Reichsstraße 6.
Seit 1966 gibt es einen Polytechnischen Lehrgang.
Seit 1976 beziehungsweise 1980 ergänzt die Musikschule Wildon (der neue offizielle Name ist “Herrand-von-Wildon Musikschule")das schulische Angebot in der Gemeinde.
Der ehemalige Pfarrkindergarten (bis 1995) und jetzige öffentliche Kindergarten der Marktgemeinde Wildon übersiedelte 1995 in das neu errichtete, moderne Gebäude, heute Alte Reichsstraße 3a.
Im September 2003 konnte das neue Volksschulgebäude in der Alten Reichsstraße 3b in Betrieb genommen werden.
Landgericht Wildon bis 1848

- Der Gerichtssprengel des Landgerichts Wildon bis 1848. Die Grenzen der alten Landgerichte innerhalb der Mark und Absplitterungen während der Jahrhunderte.
Das Steirische Becken vor 15 Millionen Jahren
Vor etwa 18 Millionen Jahre begann sich der Raum der heutigen Südsteiermark, das sog. "Steirische Becken" im Zuge tektonischer Prozesse zu senken. Durch die Kollission von Europäischer und Afrikanischer Platte wurden die Alpen gebildet. (Hiden, Hengist Magazin 2/2006)
Vor etwa 16 Millionen Jahren drang mit der Absenkung das Meer aus Südosten in das Steirische Becken vor und reichte bis zum Saum der Koralm heran. Damit war die Südsteiermark eine Randbucht eines Meeres, der sog. "Paratethys". Dies belegen fossile Reste von Kammmuscheln, Helm- und Langschnabelschnecken, Korallen, Seeigel sowie Koffer- und Drückerfisch. Die Verhältnisse damals lassen sich mit dem heutigen Roten Meer vergleichen. (Hiden, Hengist Magazin 2/2006)
Im steirischen Becken gab es Zonen mit aktivem Vulkanismus im Raum Gleichenberg und im Gebiet um Weitendorf. Im klaren Wasser der Mittelsteirischen Schwelle bildeten sich Korallenriffe und durch kalkabscheidene Rotalgen riffartige Strukturen. (Hiden, Hengist Magazin 2/2006)
Aufgrund eines Zahnfundes konnte auch der Nachweis des bis über 15 Meter langen Riesenzahnhai erbracht werden. (Hiden, Hengist Magazin 2/2006)
Vor etwa 15 bis 14,5 Millionen Jahren drang durch ein Erdbeben glutflüssige Magma entlang von Rissen und Spalten aus dem Erdinneren in der Umgebung von Weitendorf mit einer bis zu 40 Meter dicken Basaltdecke auf einer Fläche von ca. 10 km². Während zähes, gasreiches Magma kegelförmige Vulkanberge bildet (Stratovulkane wie Ätna oder Vesuv) bilden sich bei dünnflüssiger Magma Schildvulkane, wie eben in Weitendorf. (Hiden, Hengist Magazin 2/2006)
Basalt als extrem hartes und witterunsbeständiges Gestein ist ein begehrter Rohstoff, zB für Wasserbausteine, Edelsplitte und abriebfeste Pflastersteine. (Hiden, Hengist Magazin 2/2006)
Jungsteinzeit, 4000 v. Chr.
Am Wildoner Schlossberg und am Buchkogel, auch Hoher Hengst genannt, entstehen die ersten Siedlungen um 4000 v. Chr. in der mittleren Jungsteinzeit. Damit zählt der Raum Wildon zu den ältesten besiedelten Gebieten der Steiermark. (Hengist Magazin 1/2007)
Urnenfelderzeit (Spätbronezeit um 2000 v. Chr)
Das circa 3000 Jahre alte Gräberfeld aus der Urnenfelderzeit (Spätbronzezeit) in Kainach bei Wildon, Weitendorf, wird 2004 entdeckt und von Mai bis Juni 2007 werden rund 220 Gräber von den Archäologen freigelegt. (Hengist Magazin 2/2007)
In der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur (14. bis 8. Jh. v. Chr.) herrscht der Brauch der Totenverbrennung. Der Leichenbrand wird in Urnen beigesetzt. Weitere Keramikgefäße dienen als Grabbeigabe. In der Urnenfelderzeit bilden sich Friedhöfe, die mehrere hundert Gräber umfassen können. (Hengist Magazin 1/2005).
Besonders interessant ist die im Grab Nr. 3 gefundene Urne, wo am Boden der Urne Finger- und Handballenabdrücke erkennbar sind. Jener Person, die das Gefäß vor ca. 3000 Jahren gefertigt hat. (Hengist Magazin 1/2005). Die Urne ist im Museum Schloss Wildon ausgestellt.
Das Gräberfeld in Kainach wird mit der ca. 1500 Meter Luftlinie entfernten Siedlung am Wildoner Schlossberg im Zusammenhang stehen. Diese, sich bis ins Tal erstreckende, urnenfelderzeitliche Siedlung ist arächäologisch nachgewiesen, zB durch Grabungen bei der Wildoner Hauptschule 1985, bei der 36 Gräber aus dem 8. und 7. Jh. v. Chr. ausgegraben wuren. (Hengist Magazin 1/2005).
Das Gräberfeld Kainach zählt zu den bedeutensten archäologischen Funden der letzen Jahrzehnte in der Steiermark. Es ist das größte urnenfelderzeitliche Gräberfeld in der Steiermark und zählt zu den größten im Südostalpenraum. (Hengist Magazin 1 und 2/2005).
Eisenzeit - Hallstattzeit, um 800 v. Chr.
Vom Beginn der Eisenzeit, etwa 800 vor Christus, bis ins hohe Mittelalter um 1300, stellte der Rennofen, in einer Vielzahl unterschiedlicher Bauweisen und Größen, das einzige Instrument zur Eisenerzeugung dar. Im Bereich Wildon ist eine Erzlagerstätte am Kuketz mit ur- un frühgeschichtlichen Abbauspuren bekannt. (Hengist Magazin 2/2008)
Schon 1995 werden auf Parzele 220/6, KG Unterhaus, Im Rasental, hallstattzeitliche Brandgräber entdeckt. (Hengist Magazin 1/2007)
Rund 30 hallstattzeitliche Gräber (Eisenzeit, ca. 900/800 v. Chr.) werden bei einer Notgrabung auf Parzelle 220/3, Im Rasental, KG Unterhaus, der Grundbesitzer Ofner, Staines, Keutz und Germauz, von Mai bis August 2007, von Archäologen (Christoph Gutjahr, Martina Trausner und Herbert Kern) im Auftrag des Bundesdenkmalamtes freigelegt. (Hengist Magazin 1 und 2/2007 und 2/2006)
Gefunden werden Grabbeigaben, teils reich verziehrte Töpfe und Schalen, eine Knotenfibel, eine Bogenfibel und eine verzierte Kahnfibel aus Bronze. Einer weiblichen Bestattung wurden Webstuhlgewichte und Spinnwirtel ins Urnengrab gelegt. Einem Männergrab wurde eine hallstattzeitliche Lanzenspitze aus Bronze mit bronzener Mehrkopfnadel beigelegt. (Hengist Magazin 2/2007)
Drei bis vier Gräber stammen aus der mittleren Urnenfelderzeit (Spätbronzezeit, 1200 bis 1100 v. Chr.), was für die Steiermark äußerst selten ist. Typisch sind doppelkonische Gefäße für diese Zeit. (Hengist Magazin 2/2007)
Gräberfelder rund um den Wildoner Schlossberg wie das frühhallstattzeitliche Gräberfeld im Bereich Burgfriedweg - Galgenkogel, das Gräberfeld in Kainach bei Wildon, Aldrian Gründe, bei der Hauptschule Wildon, bei der Volksschule Wildon, das Hügelgräberfeld am Nordwestfuß des Buchkogels, das Kegelhalsgefäß mit Broneappliken in Tiergestalt (Weitendorfer Wappen), die "Leitinger-Urne aus der Zeit um 600 v. Chr., die "Wetzl-Urne" und das Gräberfeld Im Rasental, KG Unterhaus, untermauern die Hypothese einer Burganlage auf dem Wildoner Schlossberg in Zusammenhang mit einer Burguntersiedlung rund um den Schlossberg in der Zeit von 2000 v. Chr. bis um 600 v. Chr. (Hengist Magazin 1/2007)
Ende August 2003 wird die "Leitinger-Urne" in Unterhaus bei Kanalgrabungsarbeiten geborgen. Der Fund stammt aus der Hallstattzeit, ca. 650 bis 600 v. Chr. (Gutjahr, Hengist Magazin 3/2006) In der Spätbronze- und der Älteren Hallstattzeit stellte das Gebiet um den Buchkogel und Wildoner Schlossberg mit Sicherheit eine Kernregion der Steiermark dar. Der Grabfund ist im Museum Schloss Wildon ausgestellt. Ende August 2003 wird die "Leitinger-Urne" in Unterhaus bei Kanalgrabungsarbeiten geborgen. Der Fund stammt aus der Hallstattzeit, ca. 650 bis 600 v. Chr. (Gutjahr, Hengist Magazin 3/2006)
Römerzeit 15 v. Chr. bis 488 n.Chr.
15 v. Chr. wird das Königreich Norikum Teil des Römischen Reiches. (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
Norikum wurde als Provinz in das römische Imperium friedlich eingegliedert. Keltische Bevölkerung nahm die römische Zivilisation auf. Die Villa rustica, römische Gutshöfe, prägten das Land. Die römischen Ingenieure legten Straßen an, bauten Brücken und legten so den Grundstein für Handel und regen Austausch der Kulturen, gleichzeitig Voraussetzung für die Verlegung von Truppen.
41 - 54 n. Chr. wird unter Kaiser Claudius Norikum römische Provinz mit Hauptort Virunum (Zollfeld Kärnten). (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
70 n. Chr. verleiht der Kaiser Vespasian aus dem Haus der Flavier das Stadtrecht an Flavia Solva. (Tscherne, Gleisdorf, 1993). Solva ist eine Bezeichnung für Sulm. Die Siedlung wird vom Frauenberg bei Leibnitz in die Talebene verlegt. Der Sitz eines Isis-Noreia Heiligtums bleibt am Frauenberg bestehen.
Von 70 n. Chr. bis ca 400 n. Chr. bestand das Municipium Flavia Solva, im heutigen Gemeidegebiet von Wagna bei Leibnitz. Stadt und Umland reichte bis zur Koralpe und bis Bruck an der Mur, im Grunde das Gebiet der Mittelsteiermark. Die Verwaltungsspitze waren "Duumviri", zwei Männer, ein Führungsduo.
Für Wildon sind 2 römerzeitliche Gräber im Bereich zwischen Musikheim und Volksschule ergraben worden.
Drei römische Hügelgräber liegen oberhalb des Aframer Steinbruches bei Afram-Marienhof. Über den Wurzingbach führte eine römische Brücke zur "Hochstraße" genannten Römerstraße am Rande des Hochufers der Mur bis zur Straße zur Wildoner Murbrücke und von dort geradlinig bis zu einer Römersiedlung und einer römischen Villa beim Gehöft vlg. Feldhans am Stiefingufer. (Hengist Magazin, 3/2005)
Eine ganze Siedlungslandschaft der Römerzeit (15 v. Chr. bis 476 n. Chr.) ist im Laßnitztal erkennbar. Die Lage der Siedlungsplätze im Zusammenhang mit den Gräbern und der römischen Straße läßt ein klares System erkennen. Die größeren Siedlungen und Gutshöfe sind wie Perlen an einer Kette aufgereiht und liegen im Durchschnitt etwa 1500 m voneinander entfernt. Die großzügige Planung der Infrastruktur und modern anmutende marktwirtschaftlich orientierte Landwirtschaft im Laßnitztal vor rund 1800 Jahren können nur bewundert werden.
Römische Gutshöfe waren große landwirtschaftlich orientierte Musterbetriebe, die für den Markt produzierten. Jedem Betrieb im Laßnitztal stande etwa 20 bis 50 Hektar intensiv nutzbares Ackerland zur Verfügung und zusätzlich noch eine größere Fläche an Wald, Weideland und Augebiet, woraus auf Betriebsgrößen von 100 bis 150 Hektar zu schließen ist. (Fuchs, Hengist Magazin 1/2006)
Bei der Dreifelderwirtschaft mußte eine Fruchtfolge eingehalten werden. Ein Teil der Äcker lag brach. Nur etwa ein Drittel der Fläche war für den Getreideanbau verfügbar. Parallel zum Ackerbau war wahrscheinlich auch Viehwirtschaft mit Stallviehhaltung eine wirtschaftliche Grundlage. Das Düngen der Äcker mit Stallmist ermöglichte höhere Erträge. (Fuchs, Hengist Magazin 1/2006).
Als Absatzmärkte für die Produkte kamen neben Flavia Solva (Wagna bei Leibnitz) auch Legionslager des Militärs im heutigen Slowenien oder an der Donaugrenze in Betracht. Für den Transport der Güter stand ein leistungsfähiges Straßennetz zur Verfügung. (Fuchs, Hengist Magazin 1/2006).
Die Römerstraße durch das Laßnitztal läuft in der Ideallinie durch das Tal, wobei auf lange Geraden geringe Richtungsänderungen folgen. Wahrscheinlich wurde sie in der Zeit von 50 und 100 n. Chr. gebaut und sie bestand wie die meisten römischen Gutshöfe im Laßnitztal zumindest bis 350 n. Chr. oder noch länger.
Nach dem Abstecken der Trasse wurde der Humus abgetragen, zu beiden Seiten wurden Straßengräben mit bis zu 1 Meter Tiefe angelegt. Auf der Straße wurde Kies angeschüttet. Die Fahrbahn war stark gespannt, dh sie war in der Mitte nach oben gewölbt, damit das Regenwasser abfließen konnte und keine Schlaglöcher entstehen. Die Breite der Fahrbahn betrug rund 6 Meter, der ganze Straßenkörper samt Straßengraben war 10 bis 12 Meter breit. (Fuchs, Hengist Magazin, 1/2006).
Etwa 80.000 m³ Aushub (Humusabtrag) sowie der Transport von ca 40.000 bis 50.000 m³ Kies für die Fahrbahn waren erforderlich. Die Planung im Gelände erfolgte so, dass möglichst wenig Brücken erforderlich waren. Brücken über kleinere Gerinne wurden vermutlich aus Holz errichtet. (Fuchs, Hengist Magazin, 1/2006).
160 - 180 n. Chr. fallen Markomannen in der Provinz Norikum ein. Flavia Solva wird zerstört jedoch später wieder aufgebaut. (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
Etwa von 100 bis 400 n. Chr. bestand die Villa von Grünau (Groß St. Florian). Vermutlich gehörte sie einem Stadtadeligen von Flavia Solva. Den ergrabenen Grundriß zufolge handelt es sich um eine Peristylvilla, dh Villa mit Säulen umgebenen Innenhof. Kostbarster Fund ist ein Silberbecher (Skyphos) mit einer Szene aus dem römischen Circus. Reste von Mosaiksteine und Fragmente von Wandmalereien lassen auf reich ausgestattete Wohnräume schließen. Im Nahbereich der Villa lag eine Gruppe von 3 Hügelgräbern. An einem Grabbaurelief kann man einen "Duovir", dargestellt mit einem Rutenbündel (fascis), einen "römischen Bürgermeiste" von Flavia Solva erkennen. (Hengist Magazin 1/2006).
Um 400 ziehen Scharen von Markomannen, Goten, Langobarden und Vandalen durch Norikum. Flavia Solva wird endgültig zerstört und aufgegeben.
488 n. Chr. befiehlt Odoaker der römischen Bevölkerung der Provinz Norikum, nach Italien abzuziehen. (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
Nur Reste der keltisch-römischen Vorbevölkerung in Rückzugsgebieten, vielleicht am Frauenberg bei Leibnitz und in Bachsdorf bei Lebring (Barschalken) bleiben. (Hengist Magazin, 3/2005).
Mittelalter
Frühmittelalter, ab 500 n. Chr.
Die Alpenslawen, Karantanen, besiedeln das ehemalige römische Norikum im Gefolge und unter Herrschaft der Awaren, die 568 Pannonien besetzten.
Die Alpenslawen stießen 592 in Osttirol mit den Baiern (Bajuwaren) zusammen.
Ab 600 n. Chr. verschmelzen die Alpenslawen mit der romanischen Restbevölkerung und die Steiermark war damit wieder dünn besiedelt. (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
743 bitten die Karantanen unter Herzog Borut die Baiern unter Herzog Tassilo um Hilfe gegen die Awaren und anerkennen die bairische Oberherrschaft.
772 führt Herzog Tassilo einen Feldzug gegen die Awaren.
788 wird Tassilo gestürtzt und Bayern in das Frankenreich eingegliedert. Die fränkische Grafschaftsverfassung wird eingeführt. Der salzburgische Missionsbereich nach Osten gegen Ungarn ausgedehnt.
800 Karl der Große wird Kaiser des Römischen Reiches. Die fränkischen Herrscher vergeben das Land als Lehen an Adel und Kirche. Die bairische Kolonisation setzt nun ein. (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
814: Kaiser Karl der Große stirbt. Die "karolingische Minuskel", eine dekretierte Idealschrift, prägt noch das 9. und 10. Jahrhundert die verfassten Urkunden. (Hengist Magazin 1/2004).
822 wird die Drau als Grenze zwischen Erzbistum Salzburg und Patriachat Aquilea (später mit Sitz in Venedig) bestimmt.
Bei der Notgrabung auf Parzelle 220/3, Im Rasental, KG Unterhaus, auf den Grundstücken Ofner, Staines, Keutz, Germauz und Kummert werden frühmittelalterliche Gruben (700 bis 1000 n. Chr.) freigelegt. (Hengist Magazin 2/2007)
Weiters wird eine frühmittelalterliche Besiedelung nachgewiesen. Ein Langhaus im Ausmaß von 16 x 4 Metern war durch Pfostengruben im Abstand von jeweils zwei Metern zu erkennen. (Hengist Magazin 1/2007)
Ein Giessereiofen, ein rechteckiger steinerner Ofenunterbau wurde entdeckt. Die Keramikfunde datieren um 700 bis 1000 nach Christus. (Hengist Magazin 1/2007)
Die Besiedelung der Steiermark erfolgte durch Karantanen oder Alpenslawen, die seit 743 unter bairischer Oberherrschaft standen um das Joch der Awarenherrschaft abzulegen. In der Folge vermischte sich die slawische Bevölkerung mit der einwandernden bairischen Bevölkerung. Damit kam auch das Christentum wieder in die Steiermark. (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
Im Jahr 892 trafen in "Hengistfeldon", den Annalen des Klosters Fulda zufolge, der deutsche König Arnulf mit Herzog Brazlaw von Sissek zusammen, um Abwehrmaßnahmen zu beraten. Die Ortsbezeichnung könnte bedeuten: Hengistfelder, das nördliche Leibnitzer Feld, oder eine Doppelburg, Hengist-Wildon. (Hengist Magazin 1/2004 und 3/2005) Aus dieser Zeit stammt auch ein mondförmiger Messing-Ohrring und eine Fibel, die in Afram gefunden wurde (um 1880).
Siedlungsreste aus dem Frühmittelalter des 9./10. Jahrhunderts n. Chr. konnten bei der Notgrabung im Bereich Grundstück Nr. 220/3, KG Unterhaus, dokumentiert werden. (Hengist Magazin 2/2006).
Chronik 900 bis 999
907 schlug das ungarische Reitervolk das bairische Aufgebot in der Schlacht bei Preßburg (Bratislava) vernichtend. In der Folgezeit wurde die mittlere Steiermark durch Kriegszüge verwüstet, während die obersteirischen Grafschaften Enns- und Mürztal, Leoben und Judenburg verschont blieben. (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
955 konnten die Ungarn in der Schlacht auf dem Leechfeld, nach Belagerung der Stadt Augsburg, die von Bischof Ulrich verteidigt wurde, durch ein Reichsheer unter König Otto I. besiegt werden. In der Folge wurden Grenzmarken eingerichtet: Die Mark an der Drau, die Mark an der mittleren Mur - auch karantanische Mark - mit den Eppensteiner Adalbero als Markgraf und die Mark an der Donau mit den Babenbergern als Markgrafen. (Tschere, Gleisdorf, 1993)
Spätestens seit 970 bestand die Mark an der mittleren Mur, auch Karantanische Mark genannt. Die Markgrafen, bis 1035 die Eppensteiner, verwalteten und verteidigten von der Hengistburg aus zusammen mit den obersteirischen Grafschaften. (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
Die Markgrafen waren ob der ungarischen Bedrohung mit besonderen, eigentlich dem König vorbehaltenen Rechten (Regalien) ausgestatten. So durften die Markgrafen zur Verteidigung ein militärisches Aufgebot anführen und waren von Abgaben an das Reich aufgrund der Rüstungskosten befreit. Sie erhielten zur Finanzierung das Bergregal über Salz und Eisen, eine beträchtliche Einkommensquelle. Andererseits waren die Markgrafen enge Vertraute des Kaisers, wenn nicht gar verwandt oder verschwägert, zudem kraftvolle Persönlichkeiten, was ihre Stellung im Adel über andere (Land- und Pfalz) Grafen des Reiches bevorzugte und so auch zur Landwerdung des späteren Herzogtums Steiermark unter dem Traungauer Otakar IV. im Jahr 1180 wesentlich beitrug (Wikipedia, 2010 und Tscherne, Gleisdorf, 1993).
Der auch „Karantanische Mark“, auch Grafschaft (comentatu) Hengist genannte Verwaltungssprengel bildete die Keimzelle der späteren Steiermark.
Mittelpunkt dieser Mark ist die Hengistburg, die man gleichsam als erste Hauptstadt der Steiermark bezeichnen könnte. Der genaue Standort ist umstritten. (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
Als Hengist wurde damals der heutige Buchkogel bezeichnet. Die Wehranlage (vielleicht auch Höhlenburg) dürfte daher im Raum Wildon bestanden haben.
(Quelle: Günther Jontes, Die Grüne, die eherne Markt, Trautenfels, 2006)

- Die "Karantaner Mark" um 1043, Fritz Posch, Entstehung der Steiermark, in Atlas zur Geschichte des Steirischen Bauerntums, Posch/Straka/Pferschy, Graz 1976
Chronik von 1000 bis 1099
Um 1000: Im Frühmittelalter, um das Jahr 1000 nach Christus, lag die Hengistburg, das Zentrum der damaligen Mark an der mittleren Mur (Karantanische Mark), vermutlich am Wildoner Schloßberg. Sie sollte die Grenze zum Osten (gegen die Ungarn) sichern.
1053: Die Annalen des Klosters Altach berichten für die Jahre 1053 und 1054 von der Eroberung der "urbs" (große Befestigungsanlage) Hengistiburg" im Zuge eines Aufstandes gegen den Kaiser und von der Befreiung durch die einheimische Bevölkerung. (Hengist Magazin 1/2004).
Die Hengistburg wird damit 1053 erstmals urkundlich erwähnt und befand sich vermutlich auf dem heutigen Wildoner Schlossberg. Die Ungarn fallen 1053 in der Steiermark ein und zerstören das Zentrum der Karantanischen Mark. Ab nun Beginnt der Grazer Schlossberg an Bedeutung zu gewinnen.
Die "ecclesia que est in castro Heingist" war um das Jahr 1070 Gegenstand eines Tauschgeschäftes zwischen der markgräflichen Familie und dem Erzbischof von Salzburg. (Hengist Magazin 1/2004).
Um 1075 schenkt die edle Matrone Chuniza dem Bistum Brixen Liegenschaften um den "Hengist". (Hengist Magazin 1/2004).
Chronik von 1100 bis 1199
1126: Für seine Kirche "Hengiste" tauscht Bischof Altmann von Trient vom Salzburger Erzbischof das Tauf- und Begräbnisrecht ein. Bei diesem Sakralbau handelt es sich um die Pfarrkirche St. Margarethen (Lebring). (Hengist Magazin 1/2004).
Um 1135 wird ein gewisser "Poppo, Sohn des Poppo de Hengist" genannt. Die Familie nennt sich später "von Wildon". (Hengist Magazin 1/2004).
1146: Die Kirche St. Margarethen (Lebring) schenkt Bischof Altmann von Trient dem Stift Suben am Inn. Das Patrozinium "Margarete" scheint in der päpstlichen Besitzbescheinigung estmals auf. 1153 wird die Kirche als "apud Hengest" bezeichnet, beim Hengst gelegen. (Hengist Magazin 1/2004).
1147 wird ein Heinricus de Herwigesdorf (Herbersdorf, Allerheiligen bei Wildon) als Dienstmann des Herrand von Wildon genannt. (Mirsch, Hengist Magazin 1/20069
1173: Das landesfürstliche Lehen Altwildon, die erzbischöflich-salzburgische Burg Neuwildon am Plateu sowie das Haus Ful und der Turm Hengst auf halber Höhe sperrten den Weg vom Grazer Feld in das Leibnitzer Feld. (Hengist Magazin 3/2007)
1173: Die Vorfahren Herrand von Wildon entstammen einer aus dem Traungau in die Steiermark gekommenen Familie, die ihre ursprüngliche Edelfreiheit durch Eintritt in den Dienst des Landesfürsten aufgegeben hatte. (Hengist Magazin 3/2007)
Um 1173 nennt sich ein Adeliger noch Richer de Hengst, ehe sich die Familie nach der neu errichteten Burg Wildon benannte. (Hengist Magazin 1/2004).
Die Vorfahren nannten sich noch "von Hengst" und ließen die Riegersburg und die Burg Güssing erbauen. 1173 führt Herrand I. erstmals die Herkunftsbezeichnung "von Wildon". (Hengist Magazin 3/2007)
Der Name bezog sich auf die ehemalige landesfürstliche Burg Alt-Wildon auf dem Wildoner Schloßberg, von dem heute noch der "Heideturm" besteht. (Hengist Magazin 3/2007)
1174: Die Herren von Wildon, deren erste Generation anfänglich auf der Riegersburg lebte, brachten um 1174 von dort das Patrozinium Maria Magdalena nach Wildon mit.
1180: Die Steiermark wird unter Markgraf Otakar IV aus der Familie der Traungauer vom Herzogtum Bayern getrennt und wird reichsunmittelbares eigenständiges Herzogtum Steiermark. (Tscherne, Gleisdorf, 1993)
1186: Georgenberger Handfeste: Erbvertrag zwischen Otakar IV. (Traungauer) und Leopold V. (Babenberger) ist die "Magna Charta" der steirischen Ministerialien (Landesbewußtsein). Darin werden den steirischen Adeligen Sonderrechte nach dem Tod des Traungauer-Herzoges zugesichert, zB das Appelationsrecht direkt an den Kaiser, das Recht Steuern des Landesfürsten zu bewilligen.
1192: Der Babenberger Leopold V. ist in Personalunion Herzog von Österreich und Herzog von Steiermark.
Das Erscheinungsbild des Wildoner Marktbrunnens ist dem Siegel des steirischen Landesmarschalls Herrand von Wildon aus dem Jahr 1195 nachempfunden. Es zeigt ein mit dem Fabelwesen Panther (All-Tier) belegtes Lilienszepter, begleitet von drei Seeblättern. Die Seeblätter meinten die Farbe Grün. Der Panther als Fabelwesen ist ein Symbol des Auferstandenen Christus. Die Lilie ist Zeichen der Reinheit.
Chronik von 1200 bis 1299
1218: Gründung Bistum Seckau (Suffraganbistum der Erzdiözese Salzburg). Mutterpfarre St. Lorenzen am Hengsberg, Vikariat in Wildon. Katharinenkapelle der Herren von Waldstein auf den Burgen Ful und Hengst am Schlossbergabhang.
1219: Die Burguntersiedlung "Wildon" wird erstmals urkundlich erwähnt und erhält Marktrechte, womit das Recht zur Ummauerung und zur Abhaltung von Wochen- und Jahrmärkten verbunden war.
Zwei Tore schlossen den Markt nach außen sicher ab. Auf die Einhaltung des Wildoner "Burgfriedes" wurde geachtet und das Burgfriedkreuz in der Grazer Straße erinnert heute noch daran. (Hengist Magazin 1/2007)
1229: Leutold I. von Wildon gründet 1229 das Augustiner-Chorherrnstift Stainz.
1242: Herrand II. von Wildon (urkundlich von 1238 bis 1278 nachweisbar) ist Marschall, dh. Anführer des steirischen Ritteraufgebotes. Das Marschallamt ist eines der Hofämter neben Truchsess, Kämmerer und Mundschenk und war somit der höchste Rang eines Adeligen nach dem Landesfürsten.
Juni 1246: Der Babenberger Herzog Friedrich II., der Streitbare, von Österreich und Steiermark fällt in der Schlacht an der Leitha gegen die Ungarn.
Mangels männlicher Nachkommen werden Österreich und Steiermark vom Hohenstauferkaiser Friedrich II. als herrenlos eingezogen und von eingesetzten Landeshauptleuten verwaltet. In der Folge entbrennt ein Streit zwischen Böhmenkönig Ottokar II. und Ungarnkönig Bela IV.
Der Adel eignete sich Besitz des Landesfürsten und der Kirche an. Das Fehdewesen blühte. (Hengist Magazin 3/2007)
1248: Ulrichs Sohn Herrand II. wird durch Böhmenkönig Ottokar II gefangen genommen. Herrand II. (Minnesänger) von Wildon ist zwischen 1248 und 1278 urkundlich nachweisbar. (Hengist Magazin 3/2007)
1249: Ulrich von Wildon übernimmt den gesamten Besitz seines verstorbenen Bruders Leutold I.
Um 1250: Die Herren von Wildon lassen eine zweite Burg Neu-Wildon errichten (heute Ruine Oberwildon), von der heute noch die meisten Reste erhalten sind. Die Wildonier waren aber nicht Eigentümer der Burg, sondern nur Leheninhaber, denn der Platz wurde vom Erzbistum Salzburg - gegen den Einspruch des Landesfürsten - behauptet. (Hengist Magazin 3/2007)
Das Landgericht Oberwildon, zuständig für schwere Kriminalverbrechen (Malefizdelikte) hat sich im Mittelalter aus dem Gericht der Mark an der mittleren Mur, auch Karantanische Mark oder Grafschaft Hengist entwickelt. Es erscheint bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert im Besitz der Wildonier. 1292 wurde es zusammen mit der Grundherrschaft vom Landesfürsten übernommen, der es an verschiedene Adlige als Lehen vergab. Sitz des Landgerichtes war die Burg Oberwildon. Die Zuständigkeit erstreckte sich über ein Gebiet rechts der Mur von Hitzendorf bis Gleinstätten und bis zur Hebalm. Die niedere Gerichtsbarkeit oblag den Städten, Märkten und Grundherrschaften. Innerhalb des Landgerichtsbezirkes bestanden also rund 20 Hofmarken, Freiungen und Burgfriede, in denen der Landrichter nicht amtshandeln durfte, sondern an der Gerichtsgrenze auf den mutmaßlichen Verbrecher auf Auslieferung warten mußte. Zur besseren Kenntnis der Gerichtsgrenzen fanden "Bereitungen" zu Pferd und zu Fuß statt. Burgfriede gab es im Markt Wildon, Mooskirchen, Ligist, Lannach, Lieboch, Söding, Hornegg, Pöls, Dornegg, Gleinstätten, St. Andrä im Sausal, Gams und Zwaring. (Hengist Magazin 2/2007)
1252: Kirche und Pfarre in Wildon werden erstmals urkundlich erwähnt.
1260: Marschall Ulrich von Wildon (Wildonie) trug das Banner der steirischen Adeligen für König Ottokar II. von Böhmen in der Schlacht von Kroissenbrunn auf dem Marchfeld in der Schlacht gegen Ungarnkönig Béla. (Hengist Magazin 3/2007)
Die steirischen Landesfarben weiß und grün stammen von den Wildoniern (weißer Panther im grünen Feld).
Der Grazer Pfennig etablierte sich als Landeswährung, geprägt in Graz und Oberzeiring. (Hengist Magazin 1/2009)
Ottokar II. fordert das entfremdete landesfürstliche Gut von den Adligen zurück und kommt einem Aufstand der Steirer durch die Verhaftung der führenden Köpfe zuvor: Die Grafen von Pfannberg (Frohnleiten), die Herren von Stubenberg (Oberkapfenberg), Liechtenstein (Murau, Unzmarkt), Wildon und Pettau wurden auf Burgen in Böhmen und Mähren inhaftiert, ihre stärksten Burgen gebrochen und besetzt. (Hengist Magazin 3/2007)
1269: Herrand II. von Wildon wird aus der Gefangenschaft des Böhmenkönigs Ottokar entlassen und muss die Burgen Eppenstein, Gleichberg und St. Johann/Lankowitz übergeben.
Vermutlich in der Gefangenschaft mit seinem Bruder Hertnid und anderen steirische Adeligen wurde er von seinem Schwiegervater Ulrich von Liechtenstein zum Dichten angeregt.
Die überlieferten Werke des Wildoner Minnesängers: Die treue Gattin, Der getäuschte Gatte, Der nackte Kaiser, Die Katze und drei Lieder.
19. September 1276: „Reiner Schwur“. Herrand II und sein Bruder Hertnid unterzeichnen mit anderen steirischen Edelleuten (Graf von Pfannberg, die Herren von Stubenberg, Lichtenstein und Pettau) den Vertrag im Zisterzienserkloster Rein (Reun) bei Graz, der die Unterzeichner zur Treue zum Habsburger Rudolf von Habsburg gegen Ottokar II von Böhmen verpflichtet. (Hengist Magazin 3/2007)
1278: Der steirische Adel beteiligt sich für Rudolf von Habsburg in der Schlacht bei Dürnkrut auf dem Marchfeld gegen Ottokar II, welcher mit der Schlacht auch sein Leben verliert.
Zum Dank wird Herrand II. von Wildon das Amt des Marschalls von Steier(mark) verliehen. Er war damit Anführer des militärischen Aufgebotes. Sein Bruder Hartnid wurde Truchsess, dh Aufseher über die Tafel des Landesfürsten, wenn dieser im Land weilte und bei festlichen Anlässen speiste.
(Hengist Magazin 3/2007)
1282: Habsburger werden Herzöge von Österreich und Steiermark.
2007 und 2008 Grabungen am Faltikögerl, Hengsberg. 13 mittelalterliche Silbermünzen, alle Grazer Pfennige, die zwischen 1290 und 1325 geprägt wuden, werden gefunden. Vermutlich ein leicht befestigter Lagerplatz während der Auseinandersetzungen zwischen dem Habsburger König Albrecht I. (1282 - 1298) und den aufständischen steirischen Adeligen, darunter die Herren von Wildon.
1292: Hartnid von Wildon verliert wegen Beteiligung an einem Aufstand gegen den Habsburger Albrecht I. die Burgen am Wildoner Schlossberg am Zusammenfluss von Kainach und Mur. (Hengist Magazin 1/2008) Die Habsburgischen Landesfürsten vereinigen den herzoglichen und erzbischöflich-salzburgischen Besitz am Wildoner Schlossberg zur Herrschaft Oberwildon und ließen diese künftig durch Burggrafen und Pfleger verwalten (bis 1624). (Hengist Magazin 3/2008)
Chronik von 1300 bis 1399
In einer Urkunde Ulrichs von Wildon vom 15. März 1308 werden Güter an Ulrich von Wallsee verkauft. Herant von Trauttmansdorf wird als Dienstmann genannt, der diese Güter zu Lehen hatte.
1348 brach der Schwarze Tod (Pest) mit voller Wucht auch über die Steiermark herein. Ganze Ortschaften starben aus oder wurden aufgegeben, so zB das Dorf Oedt bei Lebring. Viele Häuser und Bauerngüter standen leer und ohne Besitzer. Schätzungen sprechen von bis zu 25 Millionen Todesopfern, rund ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung, die die Pest damals forderte. (Hammer-Luza, Hengist Magazin 2/2006).
Um 1350: Das „Untere Schloss“, auch „Freihaus“ genannt wird im 14. Jh. erstmals erwähnt und war Verwaltungssitz der Grundherrschaft Oberwildon.
Chronik von 1400 bis 1499
1402: Vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jh. Hatte ein von der Bürgerschaft gewählter Marktrichter die Zivil- und Gerichtsgewalt inne, beraten und unterstützt von einem Kollegium von Bürgern, dem "inneren" und "äußeren" Rat. Hanns dem Liebenplich ist der erste bekannte Marktrichter. (Hengist Magazin 1/2007)
1440 wird Symon der Weisse als Marktrichter genannt. Die jährliche Wahl des Marktrichters erfolgte immer am 8. Dezember. Das Ratskollegium tagte vermutlich im Privathaus des Marktrichters. (Hengist Magazin 1/2007)
1461: Eine Feuersbrunst zerstört Wildon.
1468: Der Markt Wildon beteiligt sich an der Seite von Andreas Baumkirchner an der "Baumkirchnerfehde" und wird in der Folge ein Jahr lang von kaiserlichen Truppen belagert, ehe es erobert werden konnte. Die strategische Bedeutung Wildons blieb groß, vier Burgen am Schlossberg und der landesfürstliche Markt mit Ringmauer, zwei Toren mit mächtigen Schützenhöfen sperren die wichtige Verkehrsverbindung in den Süden und sicherten die Brücken über Kainach und Mur. (Hengist Magazin 3/2008).
1479 - 1490: Große Teile der Steiermark werden von ungarischen Söldnern von König Mathias Corvinus besetzt gehalten.
1480: Im "Gottesplagenjahr" suchen Pest, Heuschrecken und Türkische Renner und Brenner die Steiermark heim - so auch Wildon und seine Umgebung. Leibnitz wird niedergebrannt. (Hammer-Luza, Hengist Magazin 2/2006)
1487: Grundlegende Umgestaltung der Pfarrkirche Wildon, worauf die Jahreszahl 1487 an der Nordseite des Kirchturmes hinweist. Vielleicht stand das Langhaus der wohl nach Osten ausgerichteten Kirche anfangs südlich des Kirchturmes und diente das Untergeschoss des Turmes – jetzt Aufbahrungsraum – mit seiner spätgotischen Tür als Sakristei.
1495: Die Aufgebotsordnung von Kaiser Maximilian I. regelt die Verteidigung der Steiermark durch Landesfürst und Landstände neu. Dies geschieht aufgrund der wachsenden Türkengefahr. Die Grundherrschaften hatten im Kriegsfall jeden zehnten Mann zu rekrutieren. Grundherren mit einem Gültwert von 100 bis 200 Gulden hatten je ein zum Kriegsdienst taugliches gerüstetes Pferd samt Gültreiter erhalten. Weniger Vermögende mußten ein "Wartgeld" entrichten. Die landesfürstlichen Städte und Märkte -so auch Wildon - mußten Fußknechte stellen. Signalfeuer oder "Kreidfeuer" wurden auch am Buchkogel im Bereich der sog. "Kanzel" eingerichtet. (Hengist Magazin 3/2008).
Um 1495 war Leonhard Harrach der Ältere im Auftrag des Landesfürsten Kaiser Maximilian I. Pfleger auf Burg und Herrschaft Oberwildon. Danach war Christoph Gloyach Pfleger der Herrschaft. Dieser erwarb um 1515 ein bürgerliches heruntergekommenes Haus, für das, um von den bürgerlichen Steuern und Pflichten enthoben zu sein, ein "Freibrief" ausgestellt wurde. Das "Freihaus" und spätere "Untere Schloss Wildon", heute Hauptplatz 55, entstand. (Hengist Magazin 3/2008).
Neuzeit
Chronik von 1500 bis 1599
Erzherzog Ferdinand übernimmt 1521 die Regierung der österreichischen Länder nach dem Wormser Teilungsvertrag mit seinem Bruder Kaiser Karl V., der König von Spanien blieb. Seit 1526 König von Böhmen und Ungarn. (Hengist Magazin 3/2008)
13. Februar 1521: König Ferdinand I. erteilt an die Brüder Ulrich und Max Leysser die Pflegschaft über die Wildoner Burgen, Herrschaft, Landgericht und Maut von Wildon. (Hengist Magazin 2/2008)
1526: Ulrich Leysser läßt die ehemalige Michaelskapelle auf der Burg im spätgotischen Stil erneuern, wie ein Wappenstein mit der Jahreszahl 1526 nahelegt. Der Wappenstein befindet sich heute in Afram-Marienhof der Familie Frizberg, Stocking. Das Familienwappen zeigt in schwarzem Schild zwei mit den Spitzen nach außen gewandte goldene Halbmonde.
1527: Mit der "Hofstaatordnung" wird die Verwaltung der österreichischen Länder durch landesfürstliche Behörden neu geregelt. Auf Vorschlag des Viertelmeisters Hans Leysser, der Bruder des Wildoner Burgpflegers Ulrich Leysser, wird ein "Verordnetenkollegium" - eine Art Landesregierung der Landstände eingerichtet. (Hengist Magazin 3/2008)
1528: Die steirischen Landstände erwogen, Graz auf Dauer zu verlassen und baten Erzherzog Ferdinand um die Burg und Markt Wildon. Die Stände erklärten eine Fliehburg errichten zu wollen und den Landtag künftig nach Wildon zu verlegen und damit ein neues Zentrum für Gericht, Verwaltung und ständische Politik zu schaffen. Aufgrund der strategischen Schlüsselposition entsprach Erzherzog Ferdinand diesem Ansinnen der Landstände nicht. (Hengist Magazin 3/2008)
1529: Maximilian Leysser verteidigt mit seinen Soldaten das Burg- und Schottentor bei der Türkenbelagerung Wiens. König Ferdinand I. schlägt ihn zum Ritter, wird später des Königs Kriegsrat und obrister Erbfeldzeugmeister. Er versuchte auch in seiner zwanzigjährigen Pfandschaft die noch mittelalterliche Burg Wildon auf modernen Standard zu heben, obwohl die Einkünfte wegen der Türkenkriege nur gering waren: 486 Gulden im Jahr. (Hengist Magazin 2/2008)
Im August 1531 berichtet Feldzeugmeister Ulrich Leysser an die niederösterreichische Kammer, dass die südliche Außenmauer des Vorhofes von Schloss Wildon fast zur Gänze zerbrochen sei. Eine Kommission unter Landesvizedom (Finanzen) Michael Meixner, der für landesfürstliche Güter zuständig war, besichtigt das Schloss. Meixner empfiehlt eine 46 Klafter (1 Klafter = ca 1,8 Meter) lange Mauer auszuführen, was jedoch aus Geldmangel unterblieb. (Hengist Magazin 3/2008).
18. Februar 1532: Die Pflege der Burg von Wildon wird in eine Pfandschaft umgewandelt. Die Brüder Ulrich und Maximilian Leysser hatten den Auftrag die mittelalterliche Burg in eine Festung umzubauen. Das Baugeld betrug 2300 Gulden, das die Leyser als Pfandsumme aufzubringen und auf der Burg zu verbauen hatten, denn diese war noch eine mittelalterliche Feste, die der Kriegsführung mit Feuerwaffen nicht mehr entsprach. (Hengist Magazin 2/2008)
Im September 1532 erreichen die Truppen von Sultan Suleiman vom Nordosten der Steiermark kommend, Graz. Das Hauptheer zieht durch das Grazer Feld nach Süden. Leibnitz brannte nieder. Die spanischen und italienischen Hilfstruppen des Kaisers ziehen ebenso durch und drangsalieren die Bevölkerung. Damit war Schloss Oberwildon weiterhin als wichtiger Verteidigungsposten zu erhalten. (Hengist Magazin 3/2008).
4. Juni 1533: Ulrich Leysser stirbt als Pfandinhaber von Weinburg und Wildon mit dem Titel kaiserlicher Hofkriegsrat und wird am 4. Juni 1533 in der Pfarrkirche St. Magdalena in Wildon bestattet. (Hengist Magazin 2/2008)
1536 erhält Maximilian Leysser die Pflegschaft über Schloss Wildon.
Im September 1544 meldet Maximilian Leysser, dass die südliche Außenmauer des Schlosses (Burg) Wildon nach außen gekippt und in den Weingarten gefallen war. (Hengist Magazin 3/2008).
Am 17. November 1544 wurde dem Richter, Rat und Bürgerschaft des landesfürstlichen Marktes Wildon von König Ferdinand I. (1503 - 1564), vermutlich auf Intervention vom in Wildon ansässigen Erbfeldzeugmeister Maximilian Leysser, das heute gebräuchliche Wappen verliehen. (Hengist Magazin 1/2004).
Der Wappenmaler am königlichen Hof in Wien verwendete den Turm als Symbol für den befestigten Markt und die im 16. Jh. beliebte Sagengestalt des "wilden Mannes" als für den Ortsnamen Wildon gleichsam redendes Zeichen (Sage vom wilden Mann von Wildon). (Hengist Magazin 1/2004).
Der Wappen-Grabstein der Familie Leysser findet sich heute bei der Pfarrkirche St. Magdalena in Wildon. (Hengist Magazin 2/2008)
Das „redende“ Wappen stellt als Zeichen der märktischen Befestigung einen Turm, aus dem heraus ein wilder Mann seine Keule schwingt, dar.
1545: Im Hofkammer-Archiv in Wien hat sich ein Grundrissplan der Burg Wildon aus der Hand des italienischen Festungsbaumeisters Domenico dell'Allio (ca. 1515 - 1563) aus dem Jahr 1545 erhalten und belegt die damaligen Ausbaupläne nach einer umfassenden Besichtigung der Baugebrechen am Schloss (Burg) (Neu)Wildon durch den Landesvizedom am Sonntag nach Ostern 1545. (Plan im Hengist Magazin 3/2008, auch (Hengist Magazin 2/2008))
Vizedom Christoph Resch unterstrich die notwendigen Reparaturen und die niederösterreichische Kammer sah in Schloss Wildon ein wichtiges "Grenzhaus". 1548 oder 1549 wird das Baugeld tatsächlich bewilligt. (Hengist Magazin 3/2008)
1550: Die Familie Leysser und die unter ihrem Protektorat stehende Wildoner Bürgerschaft wechseln zum Protestantismus.
Um 1550: Die steirischen Landstände erwägen Wildon als Tagungsort für den steirischen Landtag. Wildon wäre so neben der Residenzstadt Graz zur Hauptstadt für die Landstände geworden. Dies wird allerdings vom Landesfürsten unterbunden und so bleibt Graz Landeshauptstadt für die Residenz des Landesfürsten und für den Landtag.
1555: Am 13. Oktober 1555 stirbt Feldzeugmeister Maximilian Leysser und wird in der Familiengruft in der Wildoner Pfarrkirche bestattet. Geboren im Jahr 1489 diente er als kaiserlicher Geheimrat und Oberster Feldzeugmeister der niederösterreichischen Lande. Ein Grabstein an der Kirchenaußenmauer erinnert daran. (Hengist Magazin 2/2008). Dargestellt sind die Eltern mit den sechs Söhnen, Ulrich, Wolfgang, Georg, Wilhelm und Ferdinand sowie die vier Töchter Dorothea, Katharina, Genoveva und Ana.
Seine Witwe, Sophie Leysser, geborene Zwickhl, bat um eine Bestätigung, dass das 1548 genehmigte Baugeld auch tatsächlich auf Schloss (Burg) Wildon verbaut wurde, da offenbar keine schriftlichen Belege vorhanden waren. (Hengist Magazin 3/2008).
1557 ehelichte Sophia Leysser Wilhelm von Gera, Herrn auf Arnfels, und starb 1588. (Hengist Magazin 2/2008)
1561: Über dem Hauptportal ein Grabstein des wohl protestantischen Wildoner Ratsbürgers und Gastwirts Hans Teckhinger (gest. 1561) mit seiner Mahnung: TRINCKH UND IJS UND GOTT NIT FERGIS! TU BRINGNEST NIT VON ALLER DEINER HAB TAN NUR AIN TUECH IN DAS GRAB.
1569: Der Wildoner Pfarrer ist alt und betagt aber noch katholisch. Ein großer Teil der Bürger sind Protestanten und bleiben den Sonn- und Feiertagsmessen in der Pfarrkirche fern. Kirchliches Brauchtum, Zeremonien und Fastengebote werden verachtet.
Um 1570: "Aframer Stein" wird vom Steinbruch in Kollisch bei Wildon als Werk- und Dekorstein in Graz verwendet.
Um 1570 wird die "Grenzpost" zur kroatischen Militärgrenze, von Graz, Wildon, Ehrenhausen, Marburg, Pettau, Varasdin bis Agram eingerichtet. Die in Wildon bestehende Poststation verfügte über 2 "Grenzpostklepper". Die Kosten trugen die steirischen Landstände, dh die am Landtag vertretenen adeligen und geistlichen Gültenbesitzer. (Hengist Magazin 1/2005). Die Strecke von Graz nach Wildon betrug dreieinhalb Postmeilen, rund 26 Kilometer. Das bereitete den Postmeistern Schwierigkeiten, weil für die Passagiere unbequem und die Pferde wegen der großen Distanz oft einen Tag ausblieben.
1577 erhält Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (Sohn Ferdinand I.) die Windische und Kroatische Grenze übetragen und damit die Hauptverantwortung für die Abwehr der Osmanen. (Hengist Magazin 2/2008)
Seit 1578 bestand in Graz ein eigener Hofkriegsrat, der mit dem landständischen Adel die Verteidigung organisieren und finanzieren sollte. Georg Leysser ist Pfleger auf Oberwildon. Er ersucht um Dispens von der Haltung eines gerüsteten Pferdes da die Kosten der Erhaltung des Schlosses ohnhin hoch genug wären und die Einkünfte zu gering wären. (Hengist Magazin 3/2008).
1580: In der Steiermark setzen eine Reihe von Hexenprozessen ein. Der Landprofos Jakob Bithner, ehemaliger Theologiestudent, überzeugter Protestant, Gegner des Aberglaubens im Volk, ist berechtigt gegen herumziehende Söldner und fahrendes Volk vorzugehen. (Hengist Magazin 1/2008) Ausforschung und Inquisition von Personen, die mit dem Teufel im Bunde standen, kamen ihm sehr gelegen. So auch
1581: Ins Landgericht Oberwildon wird die vermeintliche Hexe Barbara Scherer wegen "Schadenzauber", Wahrsagerei und "Wettermachen" gegen ihre Nachbarn aus Grabenwarth bei Ligist überstellt.
1583: Die Pest grassiert in Wildon. (Hammer-Luza, Hengist Magazin 2/2006)
1583 läßt Erzherzog Karl von Innerösterreich zusätzlich zur Post nach Krain und an die Militärgrenze auch die Venedigische Post von Graz über Laibach nach Venedig führen. Der damalige Postmeister in Wildon, Paul Fröhlich, klagte, dass die Pferde dadurch oft überladen und zu Schanden geritten wurden. (Hengist Magazin 1/2005).
1586: Die Pest wütet in Wildon. Die zweite Ehefrau von Georg Leysser, Catherina Paradeiser fällt der Pest zum Opfer. (Hengist Magazin 2/2008)
Der Markt mußte gänzlich gesperrt werden. Die Poststation wurde geschlossen. Die Postgeschäfte nahmen ab 3. Juni 1586 den Umweg über St. Georgen an der Stiefing. Erst im Jänner 1587 wurde die Sperre des Marktes Wildon aufgehoben und die "Grenzpost" wieder über die Poststation Wildon befördert.(Hengist Magazin 1/2005 und (Hammer-Luza, Hengist Magazin 2/2006)
1586 verpfändet Erzherzog Karl von Innerösterreich Burg und Herrschaft Oberwildon gegen ein Baugeld von 1900 Gulden. 200 Gulden jährliche Burghut (Entlohnung für die Betreuung der Burg) und 275 Gulden Wildoner Maut bildeten die Einkünfte an die Söhne von Maximilian Leysser, Georg als nominellen Pfandinhaber, der auch zeitweise auf Wildon wohnte, Wolf (gestorben 1567), Ferdinand und Wilhelm. (Hengist Magazin 2/2008)
1590 übergibt Georg Leysser die Herrschaft Oberwildon an Hans Christoph von Gera, der die arg vernachlässigten Schlossgebäue wieder in die Höhe bringen sollte. Im selben Jahr stirbt Erzherzog Karl II. von Innerösterreich und die Gefahr eines osmanischen Einfalls nimmt wieder zu. (Hengist Magazin 3/2008)
Ende des 16. Jh. wird der bäuerliche "Schwarzhof" zu einem Adelssitz durch Kaspar von Herbersdorf ausgebaut - Schloss Schwarzenegg in Kainach bei Wildon. (Naschenweng, Hengist Magazin 3/2006)
1591: Die Burg Oberwildon wird als verfallen geschildert. (Hengist Magazin 2/2008)
1594 berichtet die Hofkammer über Baumaßnahmen auf Oberwildon. Die Dächer des großen Turms, Tor, Pflegerstube, Pfisterstube, der Kammer, Badstube, zwei Stiegen und bei der Brücke über den Schlossgraben, weiters zahlreiche Fensterrahmen wurden saniert. Der Meierhof und das Dach des Rossstalles wurden durch von Gera repariert gegen Ersatz der Baukosten durch die Regierung. Gesamtkosten rund 640 Gulden. (Hengist Magazin 3/2008).
1595: Die Pfandschaft für die Burg Wildon wird Georg Leysser vom Landesfürsten entzogen und an Hans Christoph von Gera übertragen. Damit endet die Herrschaft der Leysser in Wildon. (Hengist Magazin 2/2008)
1597 besichtigt eine Kommission Schloss Oberwildon, das Fachgutachten erstellte der Grazer Mauerermeister Anton Marbl (Antonio Marmoro). (Hengist Magazin 3/2008).
1599: Die Rekatholisierungs-Kommission des Landesfürsten und des Bischofs machen in Wildon Station. Die Bürger werden gezwungen, wieder katholisch zu werden oder auszuwandern. Ein einziger reicher Bürger wählte das Exil, alle anderen konvertierten. (Hengist Magazin 2/2008)
1628 verließen die letzten Leysser, da evangelisch, die Steiermark. (Hengist Magazin 2/2008)
Chronik von 1600 bis 1699
Um 1600: Anfang des 17. Jh. beschlossen die Wildoner den Bau eines eigenen Rathauses. Die Bürgerschaft erwarb vom reichen Viehhändler Hanns Edelmann ein geeignetes Haus, direkt am Marktplatz (Hauptplatz). (Hengist Magazin 1/2007)
Im Sommer 1600 fällt die Festung Kanischa an der Mündung der Mur in die Drau in die Hand der Osmanen. (Hengist Magazin 3/2008).
Veronica von Gera, die Witwe des gewesenen Pflegers Wilhelm von Gera beklagt im Dezember 1600 den Mangel an Geschütz und Munition. (Hengist Magazin 3/2008).
1601 übernimmt Ulrich Christoph Herr von Schärfenberg die Pfandschaft über die Herrschaft Oberwildon, finanziert Baumaßnahmen und erhält nur teilweise Ersatz für seine Auslagen von der Hofkammer. (Hengist Magazin 3/2008).
1603 dringen osmanische Reiterscharen bis Radkersburg und Mureck vor. (Hengist Magazin 3/2008).
1605 fallen Haiducken (ungarisch-siebenbürgische Aufständische) in der Oststeiermark ein. (Hengist Magazin 3/2008).
1606 beendet der Friede von Zsitvatorok den sog. "langen Türkenkrieg".
1613: Die Bürgerschaft beginnt mit dem Umbau des Rathauses, der wegen einer Wirtschaftskrise während des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648) jedoch erst 1650 abgeschlossen werden konnte. (Hengist Magazin 1/2007)
Um 1620 ist Hannibal Fux Postmeister in Wildon. (Hengist Magazin 1/2005).
Im September 1622 berichtet Hans Meinzineder, dass er die zur Herrschaft Oberwildon gehörige Maut unten im Markt samt dem Mauthaus und der Mautmühle freiwillig an Hans Ulrich Freiherrn zu Eggenberg übergab. (Hengist Magazin 3/2008)
1623: Marktrichter, Rat und Marktschreiber konnten einen Teil des Rathauses beziehen (Hauptplatz 47).
1624: Eine Feuersbrunst zerstört Wildon.
Mit Vertrag vom 17. Februar 1624 erwirbt Johann Ulrich Fürsten zu Eggenberg (1598 - 1634), seit 1623 im Reichsfürstenstand als Herzog von Krumau, Geheimer Ratsdirektor, Kämmerer und Obersthofmeister, um die Summe von 10211 Gulden das Eigentum über die seit 1292 landesfürstliche Herrschaft und Landgericht Wildon sowie die erste Instanz über den Markt Wildon vom habsburgischen Landesfürsten Ferdinand II. Diese bauen die Burgen Alt- und Neuwildon aus. (Hengist Magazin 3/2008)
1624 dient am Nordwest-Abhang des Wildoner Schlossberges unter dem Namen "Hengst" eine verfallene Burg für eine Grenzbeschreibung im Urbar als Orientierungspunkt. (Hengist Magazin 1/2004).
Die Wildoner Bürger wollten landesfürstlicher Markt bleiben und fühlten sich zu einem patrimonialen Markt herabgedrückt und beschwerten sich deshalb bei der innerösterreichischen Regierung. (Hengist Magazin 3/2008)
Für den Übergang der Herrschaft Oberwildon mit allen mit ihr verbundenen Untertanen und Rechten wurde 1624 ein Urbar (Besitzverzeichnis) angelegt. Darin findet sich ein Hinweis auf ein zerstörtes Schloss Hengst, im Bereich des Weges zum Schloss Wildon oberhalb der Pfarrkirche zur heiligen Maria Magdalena. (Hengist Magazin 3/2008)
Zum Einflußbereich der Herrn auf Oberwildon gehörten auch die Pfarrkirchen der näheren Umgebung, über die er die "Vogtei" ausübte. Dies umfaßte die Aufsicht und Schutzherrschaft über die weltlichen Rechte des Pfarrers und seine Pfründe. (Hengist Magazin 3/2007)
Der Herrschaftsinhaber wirkte damals auch an der Ernennung und Amtseinführung neuer Pfarrer mit. Der Eggenberger war enger Freund und Minister Kaiser Ferdinand II. und wurde 1623 in den Reichsfürstenstand und 1628 Herzog von Krumau.
1625: Um die Gerichtsgrenzen des Landgerichts Oberwildon zu bestätigen findet eine "Bereitung" statt, bei der der Grenzverlauf durch Begleitung von ortskundigen Personen zu Pferd und zu Fuß festgestellt wurde. Das Landgericht stellte die höhere Gerichtsbarkeit dar, das unter anderem für die Verfolgung von "Malefizverbrechen", dh mit dem Tode zu bestrafende Taten, zuständig war. Innerhalb des Gerichtsbezirkes von Oberwildon gab es rund 20 Burgfriede: Der Markt Wildon, Mooskirchen, Ligist, Lannach, Söding, Pöls, Dornegg, Gleinstätten, Hornegg, St. Andrä im Sausal, Gams oder Zwaring verfügten über ein eigenes Niedergericht, was mitunter zu Kompetenzstreitigkeiten mit der Landgerichtsherrschaft Oberwildon führen konnte. (Hengist Magazin 2/2007)
1627 werden für die Rüstkammer im Rathaus 23 Hellebarden angeschaft. Am Rathausturm war zu Zeiten der Jahrmärkte die "Freiung" ausgehängt, das als Zeichen des besonderen Rechtsfriedens zu Marktzeiten. (Hengist Magazin 1/2007)
1628: Das Religionsedikt Erzherzog Ferdinand II., Landesfürst der Steiermark, läßt dem evangelischen Adel nur mehr die Wahl zwischen Religionswechsel und Emigration. Damals verließen die letzten Leysser die Steiermark nach Burgenland und Niederösterreich. (Hengist Magazin 2/2008)
1633: Die Pest wütet drei Monate in Wildon. Aus den Amtsrechnungen der damaligen Marktrichter Hans Edelman und Hans Georg Starckman ist ersichtlich, dass neben dem menschlichen Leid auch beträchtliche finanzielle Lasten zu tragen waren. Versorgung der Kranken und Bestattung der Toten hatten ihren Preis. In Wildon war damit der Baderknecht Hans, der äußere Kuren vornahm. Er trug auch die Bezeichnung "Totenlasser", da er die Infizierten zur Ader ließ, wovon man sich eine Linderung der Krankheit versprach. Ihm zur Seite stand zumindest eine Pflegerin, Ursl genannt.
Totengräber hatten die Leichen so schnell wie möglich in abseits gelegene Pestgruben zu bestatten. Für diese lebensgefährliche Tätigkeit wurden sie vom Markt gut verpflegt. Die Ausgaben schlugen mit 85 Gulden zu Buche.
Die ärztliche Versorgung lag in den Händen der handwerklich ausgebildeten Bader und Chirurgen. In Seuchenzeiten wurden von der steirischen Landschaft eigene Pestärzte angestelt und Infektionsordnungen erlassen.
Grassierte eine Krankheit in einer Stadt, mußten Desinfektionsmaßnahmen vorgenommen werden, zB Räuchern mit Weihrauch, Waschungen mit Essig, es war verboten infizierte Häuser zu betreten, fremde Personen ohne Gesundheitszeugnis durften nicht mehr eingelassen werden, im schlimmsten Fall wurden die Stadttore geschlossen.
Das öffenliche Leben kam zum Erliegen, es gab keine Märkte, die Wirtshäuser und öffenliche Bäder blieben geschlossen. In Apotheke wurden Wundermittel wie "Theriak" angeboten. Wacholderbeeren, Knoblauch, Zwiebeln, Wermut, Sauerampfer, Zitronen galten als gängige Heilmittel. Als Gegenmittel gegen den Pesthauch empfahl man auch das Einatmen des Gestankes eines Ziegenbocks.(Hammer-Luza, Hengist Magazin 2/2006)
Im Jänner 1634 konnte hinsichtlich Pest in Wildon entwarnt werden. Den Dank ließ die Bürgerschaft in 5 Kirchen in der Umgebung verkünden, verbunden mit einem kleinen Geldopfer. Die Strafe Gottes war zu ende.
Ansuchen vom 20. September 1633 von Wolfram Herrn von Stubenberg und Wolf Adam von Gallenberg um Verleihung eines Freischurfes am Wildoner Buchkogel, ein zeitlich begrenztes, uneingeschränktes Recht zum Ausrichten einer Lagerstätte. (Hengist Magazin 3/2009)
1637: Johann Gabriel Freiherr Maschwander von Schwanau erwirbt das Schloss Schwarzenegg in Kainach bei Wildon und läßt Altar samt Gnadenbild von Herbersdorf nach Schwarzenegg bringen, was im
1675 angelegten Schwarzenegger Mirakelbuch aufgezeichnet ist. Seither wurde auf Schwarzenegg das Fest Maria Heimsuchung begangen. (Hengist Magazin 2/2007)
1643: Der heutige "Rosenhof", Grazer Straße 3, wird erstmals als "Flamischer" oder "Ackerlhof" urkundlich erwähnt. Von 1919 bis 1999 befand sich darin die Destillerie Weber, die 1859 in Mureck gegründet wurde.
1644 bis 1713: Fürst Johann Seyfried von Eggenberg. Er finanziert ein Stipendium für den ab 1678 wirkenden Eggenbergschen Hofmaler Hans Adam Weißenkirchner (geboren am 10. Februar 1646 in Laufen, gestorben 1695, Ruhestätte in der Mariahilferkirche im Minoritenkloster in Graz). (Hengist Magazin 3/2007)
1648: Die Rathaus-Turmuhr wird in Betrieb genommen. (Hengist Magazin 1/2007)
1650: Der Bau des Wildoner Rathauses ist fertig. Ein Zimmermann setzt dem Rathausturm noch einen "Wilten Mann" auf, eine stilisierte Figur des im Marktwappen von 1544 prangenden Riesen. (Hengist Magazin 1/2007)
1660: Das sog. „Untere Schloss“, heute Hauptplatz 55, war seit dem frühen 18. Jahrhundert Sitz der Herrschaft Oberwildon. Von diesem im Kern spätmittelalterlichen und in den Jahren 1660 bzw. 1725/30 grundlegend umgestalteten Gebäude aus – als adeliges Freihaus war es steuerfrei – wurden seit damals bis 1848 die rund 300 untertänigen Bauerngüter der Herrschaft verwaltet. Sie lagen rund um den Hengist sowie im Südwesten bis Eibiswald und im Osten bis Fürstenfeld und von ihnen war Zins und Robot zu leisten. Hier war auch der Sitz des ausgedehnten, für Verbrechen gegen Leib und Leben zuständigen Landgerichtes Oberwildon.
1660 ist der Wildoner Lebzelter Lorenz Stöger überliefert. Sein Nachfolger Friedrich Lebütz (Lebitsch) begründete eine Dynastie von Lebzeltern bis 1793 in Wildon, Bruck an der Mur, Feldbach, Gnas und Mureck. Wohnhaus und Werkstatt befanden sich neben dem Rathaus, heute Hauptplatz 45. (Hengist Magazin 3/2005)
1665 erhielt Simon Gogitscher die Grenzpostbeförderung verliehen. (Hengist Magazin 1/2005). Die Pferde wurden von den Landständen zur Verfügung gestellt und durften nur für die Postbeförderung verwendet werden - bei Androhung einer Leibstrafe (Züchtigung).
1667 ist Michael Franz Posch Postmeister in Wildon. (Hengist Magazin 1/2005).
1672 - 1678: Die alte gotische Kirche St. Maria Magdalena zu Wildon erfährt durch den Grazer Baumeister Franz Isidor Carlone einen großzügigen Um- und Erweiterungsbau, bei dem Pfarr- und Bürgergemeinde auch finanzielle Unterstützung der Landstände. (Hengist Magazin 3/2007)
1673 leidet der Schwarzenegger Schlossbesitzer Johann Gabriel Maschwander an einer Zyste in der linken Hand, die in Wundbrand überzugehen drohte. Seine Genesung schreibt er der Heiligen Maria, der Hausmutter in der Schlosskapelle zu. (Hengist Magazin 2/2007)
1675 wird das Mirakelbuch der Schlosskapelle Schwarzenegg angelegt, in dem die Geschichte der Marienstatue und 75 Wunder eingetragen wurden. (Hengist Magazin 2/2007)
1680: Die Pest wütet abermals in der Umgebung von Wildon. Der Markt Wildon bleibt von der Pest verschont, woran die Pestsäule/Mariensäule auf dem Hauptplatz erinnert. Die Bürgerschaft Wildons lebte hauptsächlich von Handel und Gewerbe, betrieb aber nebenbei meist noch eine Landwirtschaft. Durch die Brücken über Kainach und Mur war Wildon Verkehrsknotenpunkt. (Hammer-Luza, Hengist Magazin 2/2006)
Der Wildoner Verwalter Johann Adam Bettenburger machte sich im November 1680 zum Schloss Weißenegg auf, um dort nach dem Tod des Besitzers, des Herrn von Grienpach, das Inventar aufzunehmen. Dabei fand er ein erschreckendes Szenarium vor: Im und um das Schloss grassierte die Pest. Die herrschaftliche Köchin war bereits begraben, der Maierhof lag menschenleer und verlassen, alle Bewohner waren an der Krankheit gestorben. Niemand getraute sich mehr in die Nähe des Anwesens. Zahlreiche Pestsäulen mit "Benediktuskreuz", ein Abwehrmittel gegen bösen Zauber, erinnern an diese grauenvolle Zeit. (Hammer-Luza, Hengist Magazin 2/2006)
1681 erscheint das Werk "Topographia Ducatus Styriae" des Georg Mathäus Vischer, der das Werk im Auftrag der steirischen Landstände herausbrachte. Darunter auch ein Kupferstich von Markt und Burg Wildon. (Obersteiner, Hengist Magazin 3/2006)
1682 wird Gregor Zieser, vulgo Gräntschl, und seine Frau wegen Hexerei ins Landgericht Oberwildon gefangen genommen. Der landesfürstliche Bannrichter Jakob Gwisinger ist mit der Abwicklung des Gerichtsprozesses betraut. Zwei Wächter und der Schaffer der Burg Oberwildon hören den Verdächtigen in der Nacht unheimlich mit zwei Stimmen. Da Zieser die Unschuld beteuert, unterwirft man ihn der Tortur (Folter) auf dem Hexenstuhl. Doch er bleibt standhaft ohne Geständnis. Außerdem wurden er und seine Frau auf "Teufelszeichen" am ganzen Körper untersucht und solches durch den Freimann bestochen. Eine Verurteilung konnte nur nach Ablegung eines Geständnisses erfolgen. (Hengist Magazin 1/2008)
1682 wird auch der Dieb Hans Schleiffer, vulgo Ratschedl-Bub, wegen seiner vielfältigen Diebstähle am Galgen des Landgerichts Oberwildon aufgeknüpft - eine typische Strafe bei schweren Diebstählen oder Betrügereien. (Hengist Magazin 3/2007)
1682 wird auch der Wildoner Seiler Hanns Georg Miller, der seinen Bruder im Streit mit dem Degen erstochen hatte, nach seiner Enthauptung im Friedhof beigesetzt. (Hengist Magazin 3/2007)
1682 bestraft der Landrichter von Oberwildon vier Untertanen des Stiftes Admont aus Lasselsdorf, wegen Unterschlupf für einen später hingerichteten Gewohnheitsdieb. (Hengist Magazin 3/2007)
1682 läßt die Wildoner Bürgerschaft zum Dank für die überstandene Pestgefahr die Mariensäule errichten. (Hengist Magazin 1/2007)
1685: Johann (Hans) Adam Weißenkircher (1646 - 1695), Hofmaler der Eggenberger, malt das Hochaltarbild "Tod der heiligen Magdalena" für die Pfarrkirche Wildon. (Hengist Magazin 3/2007) Ebenso gehen die Hochaltarbilder von Graz St. Veit (Marter St. Vitus), Hengsberg (Marter St. Lorenzen), Übelbach (Marter St. Lorenzen), Straß (Johannes der Täufer bei der Wüstenpredigt) und Luttenberg/Ljutomer (Rochus u. Sebastian).
Um 1690 sind Adam Fraisamb und nach ihm Johann Sigmundt Augstrasser Postmeister in Wildon. (Hengist Magazin 1/2005).
1692 ergeht eine Rüge an das Landgericht Wildon, weil eine ertappte Taschendiebin laufen gelassen wurde. Die Beute von 28 Gulden wurde der Diebin wieder abgenommen und man begnügte sich damit, da sonst kein Schaden verblieb, die Frau aus dem Markt zu prügeln. (Hengist Magazin 2/2007)
Mit Beginn der Neuzeit wurde der Inquisitonsprozess eingeführt. Damit wurde die Strafverfolgung zur Pflicht der Obrigkeit gemacht. Zuvor gab es den Anklageprozess: Anklage gab es nur, wenn jemand Anklage erhob. Sprichwort: Wo kein Kläger, da kein Richter. (Hengist Magazin 2/2007)
1694 wird der sich im Wildoner Markt aufhaltende krumme Bettler und Wahrsager Thomas Bauer in das Landgericht Wildon eingeliefert. Der Wildoner Landgerichtverwalter Julio Hannibal von Canal oblag es, den Kriminalprozess einzuleiten. Das Delikt der Zauberei gab es noch bis zur Strafprozessreform von 1787. (Hengist Magazin 1/2008)
1698 wird Johann Ludwig (ab 1715) von Azula (gestorben 1748) wird für rund 50 Jahre Postmeister in Wildon. Mit seinem Erbe von 3700 Gulden war er ein wohlhabender Mann. In den Steuerlisten von Wildon war er an erster Stelle angeführt. In der höchsten Steuerklasse mußte er 4 Gulden Herdsteuer abführen. Das Postmeisterhaus Nr. 66 im Markt, heute Unterer Markt 38, besaß er ebenso wie eine Hube in Stocking und einen Weingarten in Aframberg und eine Hofstatt in Sulzegg. (Hengist Magazin 1/2005).
Die Postmeisterfamilie, 3 Söhne und 5 Töchter, war im Haus bequem eingerichtet. Betten aus Fichten- und Nußbaumholz, Truhen, Kästen, dazu Wäsche, 55 Leintücher, 39 Kissenbezüge, Lehnstuhl, Ledersessel und eine Stockuhr, die als Luxusgut galt, Teller aus Zinn, Kerzen in Messingleuchtern. (Hengist Magazin 1/2005).
Karte Georg Vischer 1678
Chronik von 1700 bis 1799
1700: Anfang des 18. Jh. schätzte man, dass die jährlichen Einkünfte aus dem Landgericht Oberwildon rund 2000 Gulden betrugen. Davon waren zahlreiche Ausgaben zu begleichen: Gerichtspersonal, Gefängnis, Verpflegung, Korrespondenz, Botengänge, Bannrichter oder auch Freimann (Henker).
1702 bekleidet der Lebzelter Gottfried Lebitsch für einige Monate das Amt des Marktrichters. (Hengist Magazin 3/2005)
1702: Das Rathaus wird für Marktrichter, Rat und Marktschreiber zu klein und ein Erweiterungsbau wurde bis 1705 errichtet. 1707 wird noch der kaiserliche Adler auf das Rathaustor gemalt. (Hengist Magazin 1/2007)
Die Fassade erhielt einen frischen Anstrich in gelber und blauer Farbe. Nun hatten im Rathaus die Ratsstube, die Wohnung des Marktschreibers, die Kanzlei mit den Amtsschriften und der Marktkassa, die Stube des Gemeindedieners und des Marktboten und sogar eine "Rathauskuchl" Platz. (Hengist Magazin 1/2007)
Diese Küche durfte der Marktschreiber benutzen; ansonsten wurde anlässlich der Wahl eines neuen Marktrichters am Tag Maria Empfängnis (8. Dezember) ein Festmahl für die Bürgerschaft ausgerichtet. (Hengist Magazin 1/2007)
Zu Fronleichnam bekamen die Wächter der beiden Markttore sowie der Marktbote für das Fahnenschwingen auf dem Rathaus Wein und Semmeln gereicht. (Hengist Magazin 1/2007)
An die Brotwäger, die Maßzimentierer (sie eichten die im Markt verwendeten Gewichte), Feuerbeschauer und Boten erhielten am Heiligen Abend Wein und Brot. Der Wildoner Magistrat verfügte über ein eigenes "Dienstpferd". (Hengist Magazin 1/2007)
Bergseitig befand sich ein Getreidespeicher, ein Schweinestall und eine Rüstkammer. Vor dem Rathaus war der Pranger und der "Narrenkotter". Zum Absitzen von Arreststrafen diente die "Bürgerstube".
Anfang Juli 1702 wurde die 36-jährige Lucia Riedlin (Riedl) aus Bad Gams in das Landgericht Oberwildon eingeliefert. Die Anklage lautete auf Kindsmord. Richter und Beisitzer erkannten nach einem Geständis einstimmig auf schuldig und verurteilten sie zum Tode. Am 11. August 1702 wurde sie dem Freimann übergeben und im Markt Wildon auf dem Platz vor dem Rathaus mit dem Schwert hingerichtet. (Hengist Magazin 2/2008)
1703: Es leben 78 Bürger (=Hausbesitzer) in Wildon.
1706: Das Inventar auf der Burg Oberwildon wird aufgenommen. Unter der Rubrik Landgerichtszeug scheinen Ketten, Hand- und Fußeisen, Schlösser und ein Daumenstock auf um ein notwendiges Geständnis für die Verurteilung durch Folter zu erzwingen. Zur Beweisführung gab es bis ins 19. Jh. zwei Möglichkeiten: Entweder wurde die Tat von mindestens zwei glaubwürdigen Zeugen bestätigt oder der Delinquent gestand das Verbrechen. (Hengist Magazin 2/2007)
1708: Der Anschlag über die Herdsteuer in Wildon, eine für jede Feuerstelle zu entrichtende Abgabe, nennt für das Jahr 1708/1709 Antonio Albertin als Rauchfangkehrer in Wildon. Er war in der vierten Steuerklasse - jener mit den ganz armen Leuten - zugeordnet. 1711 wurden ihm 2 Gulden Steuer vorgeschrieben. Die wohlhabenden Bürger zahlten 10 bis 14 Gulden. (Hengist Magazin 3/2007)
In der Steuerliste 1708 des Marktes Wildon sind in der ersten Steuerklasse angeführt: Lebzelter Lebitsch, Postmeister Azula, sieben Gastwirte, fünf Kaufleute und Händler, ein Lederer und ein Bäcker.
Um 1708 arbeitet Sebastian Eder als Gerichtsdiener in Oberwildon. Er hatte Arrestante zu beaufsichtigen und zu verpflegen, besorgte Botengänge und nahm Züchtigungen vor und mußte im Bedarfsfall sogar Leichen exhumieren. Eder wurde wegen mangelnder Gewissenhaftigkeit entlassen. Der Beruf des Gerichtsdieners galt als anstößig und unehrlich. Jahre später war er gar selbst Angeklagter im Landgericht Oberwildon. (Hengist Magazin 2/2007)
1710 brach sich Maria Anna Helena Reichsgräfin von Lengheim, die Tochter von Johann Gabriel Freiherr Maschwander, bei der Wallfahrt nach Mariazell am Seeberg den Fuß, wie das Mirakelbuch von Schwarzenegg berichtet. (Hengist Magazin 2/2007)
1711: Der Steueranschlag des Marktes Wildon für das Jahr 1711 nennt den Rauchfangkehrer Antonio Albertin, einem Rauchfangkehrer mit italienischer Herkunft. (Hengist Magazin 3/2007)
1711: Unter Kaiser Karl VI. wird die Triester Haupt- und Kommerzialstraße, die auch durch Wildon führt, ausgebaut. Heute noch wird diese Trasse als Gemeindestraße Alte Reichsstraße benützt. Die Fuhrleute mußten an einem Schranken vor dem Wildoner Mauthaus, heute Unterer Markt 25, je nach Ladung einen Obulus entrichten.
Der Durchzugsverkehr brachte an Markttagen einiges an Umsatz. Die Wildoner Murbrücke war die einzige zwischen Graz und Landscha/Leibnitz. Auch die Benützung der Kainachbrücke unterlag einer Maut. Die Mur dienste als Verkehrsweg für Flöße (Holzbeförderung) und Plätten (Transportboote). (Hengist Magazin 1/2005)
1711 und 1712 war man mit der Viehseuche Rinderpest, damals auch Viehumfall genannt, konfrontiert. Gesundes Schlachtvieh war kaum mehr zu finden. (Hammer-Luza, Hengist Magazin 3/2006)
1711 - 1712 ist Lebzelter Hans Georg Lebitsch Marktrichter in Wildon. (Hengist Magazin 3/2005)
1712 bleibt das Vieh der Gräfin Lengheim auf Schwarzenegg bei einer grassierenden Viehseuche verschont (Mirakelbuch). Pfarrer Bartholomeus Münich aus Wildon wird erwähnt. (Hengist Magazin 2/2007)
1715: Das Landgericht und Herrschaft Oberwildon geht von den Fürsten von Eggenberg auf die Familie Johann Friedrich Stampfer Freiherr von Walchenberg (Kupferbergwerk in Öblarn) über, die es bis zum Tod des Grafen Josef Stampfer 1775 inne hatten. Die Einkünfte aus dem Landgericht betrugen rund 2000 Gulden, wovon allerdings sämtliche Ausgaben zu begleichen waren: Gerichtspersonal, Versorgung der Arrestanten, Kosten für die Beiziehung des steirischen Bannrichters, Investigation und den Freimann für die Exekution. (Hengist Magazin 2/2007)
Ein Kupferstich aus dem Jahr 1715 stellt Burg und Markt Wildon mit Richtstätte am Galgenriegel, Kreidfeuer, die Murbrücke, Rathaus, Pfarrkirche, Burg oder der Pfarrkirche, Kapelle und Ruine des Turmes (Heidenturm) das Marktwappen und den Wilden Mann zu Füßen eines Baumes, in dem die Namen der Wildoner Ratsherren angeführt sind: Wolfgang Held, Marktrichter, Anton Schopf, Tobias Grueber, Peter Tenngg, Johann Mayr, Johann Ludwig Azula, Christian Schilly, Johann Georg Lebitsch, Mathias Grueber, Jeremias Kriechuber, Frantz Grueber, Franz Eberl und Simon Bräntl. (Hengist Magazin 2/2007)
Um 1715 ist in Wildon der Lebzelter Hans Georg Lebitsch ansässig. Lebzeltmodel sind in Sammlerkreisen sehr begehrte Objekte. Und so ist auch ein Lebzeltmodel des Wildoner Lebzelters erhalten geblieben. Der in der Barockzeit beliebte Granatapfel symbolisierte auch im Lebkuchen Liebe, göttlichen Schutz und Fruchtbarkeit. Dieses Motiv ziert die beiden Handschuhe im Modell des Wildoner Lebzelters. Lebkuchen wurde bei Hochzeiten als Glücksbringer verteilt. Manchmal sind die Initialen der und ein Datum am Model angebracht, was eine Zuweisung zu Lebzelterfamilien zuläßt. (Hengist Magazin 3/2005) .
Lebzelter waren gleichzeitig als Wachszieher tätig.
Nach der Handwerksordnung, vom Landesfürsten erlassen, durften Lebzelter al allen Sonn- und Feiertagen, außer Weihnachten, Ostern und Pfingsten, ihre Waren auf öffentlichen Plätzen anbieten. Jahrmärkte wurden nach einer in der Zunft getroffenen Vereinbarung bereist. Jeder Meister erhielt einen Stand zugelost. Nur steirischen Meistern war der Ankauf von Honig und Wachs erlaubt. Lebkuchen von "Störern" wurde vom örtlichen Gericht beschlagnahmt und ließ die Hälfte davon den Insassen von Armenhäusern und Spitälern zukommen. (Hengist Magazin 3/2005)
Lebzelter gehörten zur bürgerlichen Oberschicht und saßen oft im Rat und bekleideten führende Ämter der Gemeinde. (Hengist Magazin 3/2005)
1716: Der Scharfrichter Johann Andreas Grill erhält für die Exekution von zwei Verurteilen 22 Gulden vom Landgericht Oberwildon. Für das Ausschaufeln der Gräber erhält er 2 Gulden, dazu Trinkgeld für einen Knecht, Kostgeld für sich selbst, Futter und Reisegeld für Pferde und die Fahrt von Graz nach Wildon und "Wartgeld" für den mehrtägigen Aufenthalt in Wildon bis zur Exekution. Die Richtstätte war gut sichtbar außerhalb des Ortes am "Galgenriegel", heute Am Buchkogel, an der (Hengist Magazin 3/2007)
8. Dezember 1717 bis 1718 ist Lebzelter Hans Georg Lebitsch Marktrichter in Wildon. (Hengist Magazin 3/2005)
Mittwoch,10. August 1718, Kirchtagsrummel zu Hengsberg. Die Herrschaft Oberwildon als Vogt der Hengsberger Kirche, als Vertreter in weltlichen Angelegenheiten, und als Landgerichtsherr übt das Recht der "Kirchtagsbehütung" aus. Pfarrer Dr. Andreas Fortunatus Graf, Archidiakonatskommisar zu Hengsberg, quasi Vertreter des Bischofs, gest. 1742, läßt den Oberwildoner Schaffer als herrschaftlichen Beauftragten durch seine Leute zusammenschlagen und arrestieren. Baron Stampfer erhob darauf Klage gegen den Pfarrer beim Grazer Landrecht, dem Gerichtshof des Adels. Das Verfahren endete am 3. Dezember 1721 zugunsten des Pfarrers Dr. Graf, die Klage wurde abgewiesen. (Hengist Magazin)
1722: Der Landgerichtsherr auf Oberwildon, Johann Friedrich Stampfer von Walchenberg, klagt, dass ihn ein Kriminalprozess 600 Gulden gekostet habe.
1725: Der Oberwildoner Landgerichtsverwalter läßt einen Delinquenten bereits 14 Monate in Untersuchungshaft sitzen. Die Bedingungen im Kerker waren denkbar schlecht, die Verpflegung auch. (Hengist Magazin 3/2007)
1725 bis 1730: Das Untere Schloss (Freihaus) wird grundlegend umgestaltet.
Nacht vom 5. auf 6. April 1927: Eine Feuersbrunst zerstört Wildon.
Das Rathaus und ein Gutteil der Wildoner Bürgerhäuser liegt in Schutt und Asche. Für den Wiederaufbau wandten sich die Wildoner an Kaiser Karl VI. persönlich. Er gewährte der Bürgerschaft die Sammlung einer Brandsteuer von 5000 Gulden und überzeugte sich 1728 selbst von den Schäden der Brandkatastrophe. (Hengist Magazin 1/2007)
1727: Der mächtige Kirchturm an der Ostseite ist über 66 Meter hoch und brannte 1727 bis zum Hallengewölbe ab, wobei auch die Glocken und die Uhr zerstört wurden. (Hengist Magazin 1/2007)
8. Dezember 1727 bis 1728 ist Lebzelter Hans Georg Lebitsch Marktrichter in Wildon. (Hengist Magazin 3/2005)
1728: Das nicht privilegierte Landgericht Oberwildon unter Freiherr Johann Leopold Stampfer von Walchenberg muss den steirischen Bannrichter Wolfgang Andrä Calin für einen Kriminalprozess nach Wildon berufen, um einen Prozess gegen eine Kindsmörderin zu führen. (Hengist Magazin 2/2007)
Wegen der ungemütlichen Zustände auf der Burg weigert sich der Bannrichter von seiner Unterkunft im Markt, im "Hirschenwirt", täglich zur Burg hinauf und wieder zurück zu gehen und besteht darauf, dass die Inquisition im Gasthaus stattfindet. Dies empfindet der Stampfer von Walchenberg als schmähliche Herabsetzung seiner Landgerichtshoheit. Die beiden Herren kamen zu keiner Einigung. Der Bannrichter verließ Wildon unverrichteter Dinge. (Hengist Magazin 2/2007)
Die Innerösterreichische Regierung musste einen Vertreter für den beleidigten Bannrichter entsenden. Freiherrn von Stampfer wurde aufgetragen, für eine bequeme Unterbringung zu sorgen. (Hengist Magazin 2/2007)
1728 wird Sebastian Lerch zur Strafe vom Landgericht Oberwildon des Landes verwiesen wurde aber per Schub aus Kärnten wieder nach Wildon transportiert und daher wieder eingesperrt. Erst nach langen Diskussionen wurde der arme, krumme Mensch in die örtliche Armenversorgung aufgenomme. (Hengist Magazin 3/2007)
1728 gelingt dem mutmaßlichen Mörder Andre Richter trotz Fußeisen mit Ketten und einen in einen großen Stein eingegossenen Ring die Flucht aus dem Gefängnis Oberwildon. (Hengist Magazin 3/2007)
1728 und 17932 war man mit der Viehseuche Rinderpest, damals auch Viehumfall oder "Löserdürre" genannt, konfrontiert. Gesundes Schlachtvieh war kaum mehr zu finden. Rund 80 % der infizierten Tiere starben. Öffnete man den dritten Magen, auch Löser genannt, fand man dürres, unverdautes Futter. (Hammer-Luza, Hengist Magazin 3/2006)
Die Behörden erließen "Viehordnungen", damit die rasante Verbreitung eingedämmt werden konnte. Wichtigstes Mittel war die Trennung von kranken Tieren vom restlichen Viehbestand. Die Ställe wurden mit Essig, Lauge oder Kalkwasser gereinigt oder mit Wacholderholz oder Wacholderbeeren geräuchert. (Hammer-Luza, Hengist Magazin 3/2006)
Verdächtiges Vieh durfte nicht auf Viehmärkte getrieben werden. Verendete Tiere wurden in tiefen Gruben verscharrt und mit ungelöschtem Kalk überschüttet. Als Vorsichtsmaßnahme beim Betreten des Stalles riet man, dan Stall niemals nüchtern zu betreten und ordentlich Branntwein zu trinken und Tabak zu rauchen. Nach jeder Stallarbeit sollten Hände und Mund mit Wein ausgiebig gespült werden. Als Wundermittel gegen den Viehumfall galt "Theriak" neben der täglichen Eingabe von Knoblauch und Schwefel, zusammen mit gesalzenem Brot. (Hammer-Luza, Hengist Magazin 3/2006)
1729: Der Wiederaufbau des Rathauses ist abgeschlossen - daran erinnert eine Gedenktafel. (Hengist Magazin 1/2007)
1733: In der Kapelle im Schloss Schwarzenegg wird ein barocker Hochaltar von Johann Andreas Graf Lengheim gestiftet und aufgestellt. (Hengist Magazin 2/2007)
Der Fürstbischof Rudolf Josef Graf Thun von Seckau (1690 - 1702) weiht die Kapelle, die damit zu einem sacellum publicum geworden, zu dem Prozessionen veranstaltet werden durften. (Hengist Magazin 2/2007)
Der Wildoner Pfarrvikar Ignaz Kaherl empfand den regen Wallfahrtsbetrieb nach Schwarzenegg als unliebsame Konkurrenz und beschwerte sich beim Seckauer Fürstbischof, dass von der Gräfinwitwe Helena Lengheim Patres von auswärts ohne Wissen des Pfarrers eingeladen würden und auch Opfergeld angenommen werde. Die Beschwerden gingen ins Leere. (Hengist Magazin 2/2007)
1734 finden sich 12 Erhörungen im Mirakelbuch Schwarzenegg. (Hengist Magazin 2/2007)
8. Dezember 1735 bis 1736 ist Lebzelter Hans Georg Lebitsch Marktrichter in Wildon. (Hengist Magazin 3/2005)
2. Juli 1736:
Am 2. Juli 1736 begeht die Schlosskapelle Schwarzenegg das 100-jährige Jubelfest der Aufstellung der Gnadenstatue. (Hengist Magazin 2/2007)
Johann Andreas d. J. Reichsgraf von Lengheim konnte den Seckauer Fürstbischof Jakob Ernst Graf von Liechtenstein als Festzelebranten gewinnen und lät die benachbarten Pfarrer und Vikare, den umwohnenen und befreundeten Adel zur Teilnahme ein. Der Tag wird zu einem beeindruckenden religiösen Fest. Der Fürstbischof hielt das Pontifikalamt in der Kapelle. An der anschließenden Prozession sollen an die 10.000 Gläubige anwesend gewesen sein. (Hengist Magazin 2/2007)
Die Wildoner Bürgerwehr mit 40 Mann leistete die militärische Ehrenbezeugung und schoss Salut. 1451 Personen wurde die Beichte abgenommen und 19 heilige Messen am Gnadenaltar und an den zwei im Schlosshof errichteten Altären gefeiert. (Hengist Magazin 2/2007)
1738: Hans Christoph Schün lebt als Gerichtsdiener mit Frau, Tochter und Magd als Gerichtsdiener in der Burg Oberwildon. Einem Gefangenen auf der Burg gelingt die Flucht und der Gerichtsdiener wird selbst arrestiert und mit 20 Rutenstreichen bestraft. (Hengist Magazin 2/2007)
1738: Pfarrer Mathias Sebastian Peichl stirbt und wird in der Pfarrkirche beigesetzt. Ein Grabstein an der Kirchenaußenmauer erinnert daran.
1740 erwirbt Lebzelter Franz Jakob Pinter das Lebzelterhaus, heute Hauptplatz 45. (Hengist Magazin 3/2005)
1743: Das Grundbuch verzeichnet Barbara Hinckh, Witwe und bürgerliche Rauchfangkehrermeisterin, im heutigen Unteren Markt 17. Der Rauchfangkehrer zählte in Wildon zu den "radizierten" Gewerben, dh das jeweilige Gewerbe haftete am Haus und war im Grundbuch eingetragen und bildete einen eigenen Anteil am Wert der Liegenschaft. (Hengist Magazin 3/2007)
1743: Die Pfarre Wildon wird selbständig. Bis 1743 war die Pfarre Wildon ein Vikariat der Mutterpfarre St. Lorenzen am Hengsberg (seit 1218 im Bistum Seckau). Zum Pfarrsprengel gehörten der Markt Wildon, Unterhaus und Kainach. 1750 werden die Ortschaften links der Mur, Stocking, und 1779 Weitendorf eingepfarrt.
1748 gelingt Theresia Kirschnerin die Flucht aus dem Gefängnis Oberwildon über das Schloßdach und einen Sprung über zehn Meter Tiefe, wobei ein Gerichtsdiener Rizinger in Verdacht kam, beträchtlich geholfen zu haben. (Hengist Magazin 2 und 3/2007)
1749 heiratete auf Schwarzenegg der 56-jährige Sigmund Joseph Graf Galler (der "krumpe" Graf) die 28-jährige Tochter seines Cousins Maria Elisabeth. Durch die Heirat wurde er Eigentümer der Schlossherrschaft Waasen und auch des Palais Galler am Karmeliterplatz in Graz (heute ÖVP-Zentrale)(Naschenweng, Hengist Magazin 3/2006)
1749: Graf Lengheim errichtet ein Testament, in dem er auf seinem Gut Schwarzenegg ein Schlossbenefizium für einen Kaplan stiftet. Er legt genau fest, wie und welche Messen gehalten werden sollen. 1760 wird dem Testament noch ein Kodizill angefügt, in dem Lengheim für den Unterhalt des Schlossgeistlichen 4000 Gulden Kapital aufwarf und den Betrag auf dem Gut sicherstellt. (Hengist Magazin 2/2007)
1750: Die Ortschaften links der Mur (heute Teile der Gemeinde Stocking) werden eingepfarrt.
Durchreise des Kaiserpaares Franz I. und Maria Theresia im Juli 1750. Das Hochgericht Wildon erhält die Weisung der innerösterreichischen Regierung, die an der ehemaligen Triester Haupt- und Kommerzialstraße gelegene Richtstätte, "Galgenriegel" genannt, im Bereich des heutigen "Am Buchkogel", entweder zu demolieren oder zumindest vorübergehend die "Cadavera" zu entfernen, um die höchsten Herrschaften mit keinen Widerwärtigkeiten zu konfrontieren. (Hengist Magazin 3/2007)
Für Kaiserin Maria Theresia und dem kaiserlichen Tross standen beim Kreuzwirth in Lebring 24 Post- und 84 Landpferde bereit.
1751: Mit kaiserlicher Entschließung vom 10. Mai 1751 wird verfügt, die Postmeisterei von Wildon nach Lebring zu verlegen. Postmeister Franz Erasmus von Azula pachtet zunächst den Kreuzwirt in Lebring, da die Eröffnung der Lebringer Poststation schon mit 1. Juli 1751 angekündigt ist. Schließlich kauft er das Bauernhaus des Peter Thomann in Lebring um 600 Gulden und baut es zur Postmeisterei um bis er 1757 wegen Krankheit der Ehefrau verkauft, nach Graz zieht und als Verwalter des Zuchthauses tätig ist. (Hengist Magazin 1/2005). Der Wildoner Magistrat protestiert erfolglos gegen die Verlegung der Poststation nach Lebring.
8. Dezember 1751 bis 1752 war Lebzelter Franz Jakob Pinter Marktrichter und saß im Rat des Marktes Wildon. (Hengist Magazin 3/2005)
1755/1756: Die Rinderpest verursacht im Land viel Leid und Schaden. Die steirischen Landstände bestimmten eigene Viehumfall-Kommissare, die als Aufsichtsorgane in die infizierten Gebiete geschickt wurden. Um den Viehumfall einzudämmen wurden an die Bauern um Wildon und Ehrenhausen Vieharzneien im Wert von mehr als 350 Gulden verteilt, darunter Kampfer, Kreidepulver, Salpeter, Speik und Haselwurzpulver. In den Markt Wildon schickte man mehrere Male Tiegel mit Vieh-Mithridat, also "Theriak". Die Kosten trug die Steirische Landschaft. Trotz der Mittel fiehlen tausende Tiere der Seuche zum Opfer. Den Wildoner Bürgern verendeten 25 Rinder. In Retznei verlor man 100 Rinder, in Obervogau 150. Die Untertanen der Herrschaft Hornegg (Stainztal) und Schwanberg standen vor dem Ruin. (Hammer-Luza, Hengist Magazin 3/2006)
1756: Letzte Eintragung einer Gebetserhörung im Schwarzenegger Mirakelbuch. (Hengist Magazin 2/2007)
1757: Straßenseitig an der Kirchenaußenmauer der auch wegen seiner Darstellung der Wildoner Burgen interessante Grabstein für den Grazer Gastwirt Franz Hofstätter, der am 28. Oktober 1757, 44-jährig in Wildon bei einem Kutschenunglück ums Leben kam. Den Hintergrund für die Unfallszene bildet eine frühe Darstellung der beiden Burgen Alt- und Neuwildon, ergänzt durch ein Kreuz als Zeichen für den damals am westlichen Abhang befindlichen Kalvarienberg. (Hengist Magazin 1/2005)
Um 1760 verkauft der Lebzelter Franz Xaver Pinter das Lebzelterhaus, heute Hauptplatz 45, an den Chirurgen und Ratsbürger Leopold Widtmann, dem zuvor das Postmeisterhaus gehörte. Die Lebzeltergerechtigkeit "übersiedelt" auf das ehemalige Postmeisterhaus, heute Unterer Markt 38. Familie Pinter bleibt bis 1806. (Hengist Magazin 3/2005)
Im Juli 1763 berichtet der Herrschaftsverwalter von Oberwildon von "Viehumfällen" um die Gegend von Hengsberg, diesmal waren Rinder, Pferde und Schweine betroffen. Kadaver von Zugtieren wurden einfach auf der Straße liegen gelassen. Die Verwalter der Herrschaften Premstätten, Waldschach und Schwarzenegg wurden zu Kommissaren ernannt, um sich ein Bild über das Ausmaß des Schadens zu machen. Zugleich entsandte man den Landschaftsphysiker und Arzt Dr. Hermann Gleissner in die betroffenen Gebiete. Der Wildoner Abdecker, der die Kadaver der gefallenen Tiere öffnete und untersuchte, stellte Milzbrand - eine bakterielle Infektionskrankheit - fest. Durch Ausscheidungen milzbrandkranker Tiere kann ein Erdboden jahrzehntelang verseucht werden, womit die Pflanzenfresser die Krankheitserreger durch das Futter aufnehmen. Die Bevölkerung gab die Schuld an der Viehseuche vor allem dem schlechten Wetter mit heißen Tagen und nasskalten Nächten, durch die das Futter auf der Weide verderbe und das Wasser faulig werden. Die Gabe von Nieswurz löste "Heilentzündungen" aus, die die Abwehrkräfte des Organismus mobilisierten. 1763 schien man in Hengsberg damit Erfolg gehabt zu haben. Mitte August 1763 berichtete der landschaftliche Arzt, dass sich die Seuche gelegt habe(Hammer-Luza, Hengist Magazin 3/2006)
1765: Nach Lengheims Tod folgen die Reichsgrafen Galler als Herren auf Schwarzenegg. (Hengist Magazin 2/2007)
Im Sommer 1765 führt eine Hofreise von Kaiser Franz I. und Maria Theresia nach Innsbruck. Dies war ein Zug von rund 80 Wagen und 650 Zugpferde. Die Poststationen und Grundherrschaften der Umgebung mußten Pferde zur Verfügung stellen. (Hengist Magazin 2/2005)
1766 wird auf Anweisung Maria Theresias der steirische Herzogshut wieder hergestellt und dem Gouverneur und Landeshauptmann Graf Wildenstein zur Obhut übergeben. Kaiser Joseph II. ließ das erbländische Symbol 1785 nach Wien bringen. (Obersteiner, Hengist Magazin 1/2006)
1766: Den Rokoko-Hochaltar errichtete im Jahre 1766 der Grazer Bildhauer und Tischlermeister Veit Königer, das Hochaltarbild „Tod der hl. Maria Magdalena“ ist ein Meisterwerk des Hanns Adam Weißenkircher (1646–1695), Hofmaler der Fürsten von Eggenberg, die seit 1624 Herren auf Oberwildon waren.
1768: Rauchfangkehrermeister Jakob Gessl bezahlt drei Gulden Steier. Die führenden Ratsbürger zahlten 9 bis 12 Gulden. (Hengist Magazin 3/2007)
8. Dezember 1769 bis 1770 war Lebzelter Franz Jakob Pinter Marktrichter. (Hengist Magazin 3/2005)
1770 reist der Großherzog der Toskana, der spätere Kaiser Leopold II. mit 11 Wagen und 69 Pferden. (Hengist Magazin 2/2005)
Franz Xaver Hysel kommt am 11. Februar 1770 als Sohn des dortigen Schulmeisters Josef Hysel (seit 1752 in Hengsberg) auf die Welt. Wegen seiner musikalischen Begabung wird er nach Wildon zum Musikunterricht geschickt. Vermutlich über Kontakt über die Grafen Galler auf Schloss Schwarzenegg findet er in Gräfin Aloisia Lanthieri Unterstützung für ein Violinstudium in Graz. Zu den Pflichten eines Schulmeisters gehörten auch die Pflichten eines Mesners, Organisten und Chorleiters. Hysel, der sich später als Eduard Hysel benannte, galt als bedeutendster Geiger in Graz. Er gab Benefizvorstellungen für steirische Wohltätigkeits-Anstalten. Seit 1793 bereits als Geiger tätig, nahm er 1799 eine Stelle des Musikdirektors am ständischen Theater in Graz an. Zu Ostern 1813 übernahm er den Posten des Theaterdirektors bis Oktober 1818. Am 19. November 1814 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Graz erhoben. Er starb am 15. September 1841 in hochgeachtet in Graz. (Hengist Magazin 2/2008)
1775: Graf Joseph Stampfer von Walchenberg stirbt und das Landgericht Oberwildon wird für fünf Jahre bis 1780 unter gerichtlicher Verwaltung gestellt.
(Hengist Magazin 2/2007 und 1/2006)
1779: Weitendorf wird eingepfarrt.
1779 werden dem Landgericht Oberwildon zwei gefährliche Kriminalverbrecher übergeben: der 27-jährige aus Ungarn gebürtige Leyrerbärtel und der 19-jährige aus Bayern stammende kleine Österreicher Seppl, die zwei brutale Raubmorde begannen.
Das Landgericht Oberwildon ließ die Verbrecher von unten nach oben rädern, das heißt, sie wurden an die Erde gebunden und mit einem schweren eisenbeschlagenen Rad wurden die Glieder bei den Füßen beginnend bis zum Kopf zerschlagen. Anschließend wurden die Leichname auf das Rad gebunden und für einige Zeit hängen gelassen. (Hengist Magazin 3/2007)
1780 (bis 1804): Dr. Josef Edler von Griendl, Hof- und Gerichtsadvokat in Graz, wird neuer Eigentümer der Herrschaft und des Landgerichts Oberwildon, bis Mitte des 19. Jh. Die adeligen Besitzer bedienten sich zur Besorgung der Gerichtsbarkeit eines Landgerichtsverwalters: Ende des 17. Jh. war das Johann Adam Bettenburger, dann Julius Hannibal von Canal, Anfang des 18. Jh. Franz Friedrich Hörner, nach ihm Andreas Leopold Paltauf. (Hengist Magazin 2/2007 und 1/2006)
Dr. Griendl hatte an der Universität Freiburg das Doktorat der Rechte erworben. Er wirkte in Graz als Advokat und als Bannrichter beim Landgericht in Friedau, Untersteiermark. Zeitweise war er Professor an der Grazer Universität und von Mai bis September 1782 Rektor. Weiters besaß er das Diplom eines öffentlichen Notars und war vom Fürstbischof von Seckau zum "Wirklichen Konsistorialrat" ernannt worden. Am 28. Mai 1783 erhob ihn Kaiser Joseph II. in den erbländischen Ritterstand mit dem Prädikat "Edler von" und verlieh ihm gleichzeitg auch ein Wappen. Das ausgedehnte Landgericht Oberwildon, zuständig für weite Teile der Weststeiermark, lag beim Juristen Griendl also in guten Händen. Als Inhaber der Herrschaft Oberwildon war Griendl aber auch Mitglied der Landstände und besaß Sitz und Stimme im Landtag. (Obersteiner, Hengist Magazin 1/2006).
Die Todesstrafe wird unter Josef II. aufgehoben, erst Kaiser Franz I. führt sie wieder ein. Jedoch hielt das Josefinische Strafgesetzbuch 100 Rutenstreiche für vorstellbar. Strafen durch Züchtigung wurden häufig kominiert mit Orts- oder Landesverweis. Durch die Verbannung verlor die Person ihre bisherige Erwerbsmöglichkeit und jegliche sozialen Rückhalt (Hengist Magazin 3/2007)
30. August 1782, gegen 16 Uhr wird der Syndiker (juristisch geprüfter Magistratsrat) und Sanitätskommissar Leopold Troll aus Wildon Augenzeuge eines Heuschreckenschwarms, der von Ungarn kommend über Mureck und Leibnitz auch in Wildon einfiehl. Durch Glockengeleute, Böller- und Gewehrschüsse, Springen und lautes Schreien sowie durch Anzünden von Stroh, Holz und wildem Hanf versuchen die Wildoner Inwohner den Schwarm zu vertreiben. Gegen 20 Uhr zog der Schwarm Richtung Unterhaus, Kollisch (Stocking) und Weißenegg (Mellach) weiter. (Hengist Magazin 1/2010). Die Tage darauf zogen die Heuschrecken das Kainachtal hinauf weiter.
Das Grazer Kreisamt schickte einen eigenen Kommissar, den Landprofosen und 3 Schützen in das betroffene Gebiet. Durch Erzeugen von Lärm, Rauch, Vernichten (Totschlagen) und Verfüttern an Schweine sollten die spatzengroßen Wanderheuschrecken bekämpft werden. Die Felder mit Mais, Hirse (Hirsch), Buchweizen (Heiden) und Mannagras (Himmeltau) wurden verwüstet. Kraut und Rüben blieben verschont. In Wäldern brachen die Äste unter der Last der Millionen von Heuschrecken.
Mitte Juli 1783 konnte das Grazer Gubernium an die Wiener Hofkanzlei berichten, dass die Heuschreckenplage in der Steiermark beseitigt war.
1784: Die imposante Kanzel, das Orgelgehäuse und die Orgelbrüstung, alles Werke aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wurden 1784 aus dem von Kaiser Joseph II. aufgehobenen Karmeliterkloster in Graz erworben.
1785 (bis 1970): Das Pfarramt Wildon ist Sitz eines Landdekanates.
1785: Im Alten Rathaus am Hauptplatz (später Bezirksgericht), heute Hauptplatz 47 - Ordination Dr. Zwittnig - amtierten Marktrichter und Rat bzw. seit 1785/1850 Bürgermeister und Gemeindeausschuss. Pranger und Marktrichterstab waren frühe Zeichen der niederen Gerichtsbarkeit im Burgfried.
Am 9. Mai 1790 wurde einer Delegation der steirischen Landstände von Kaiser Leopold II. die Bitte gewährt, den steirischen Herzogshut nach Graz zu retournieren. Der Delegation gehörten an: Der Bischof von Graz-Seckau, Graf Attems und Graf Brandits und Dr. Joseph Edler von Griendl. Am folgende Tag wurde der Herzogshut in einem Galawagen in einem Konvoi von 16 Wagen, unter Festmusik und klingendem Spiel in das Landhaus gebracht und auf dem Platz des Landesfürsten einige Zeit aufgestellt. Bürgergarden und Grazer Handelsstand waren angetreten. (Obersteiner, Hengist Magazin 1/2006)
Am 22. November 1791 heiratet Johann Geberger in der Wildoner Pfarrkirche. Als Beistand wird der Wildoner Lebzelter Franz Pinter genannt. Geberger war als Amtsschreiber beim Landgericht Oberwildon tätig und nach drei Jahren Landgerichtsverwalter, was er 6 Jahre lang ausübte. Am 4.September 1791 kaufte Geberger die Poststation Kalsdorf vom Postmeister Max Maurus. Das Postregal war 6000 Gulden wert, Posthaus, 13 Postpferde, Postwagen kamen nochmal auf 9300 Gulden. Geberger mußte sich auch einer Prüfung bei der Oberpostverwaltung in Graz unterziehen. Schließlich kaufte er am 2. Mai 1820 das Gut Murstätten in Lebring um 14500 Gulden von Josepha Gräfin von Brandits. (Hengist Magazin 1/2007)
1792: Das Grazer Gubernium versucht erstmals das Benefizium auf Schloss Schwarzenegg einzuziehen zur Einschränkung es Wallfahtswesens. Gräfin Galler wird aufgetragen, keinen neuen Benefiziaten zu präsentieren. Dennoch scheint von 1794 bis 1806 der ehemalige Kaplan von Wildon, nun Priester Matthias Karl als Benefiziat auf.(Hengist Magazin 2/2007)
1792: Im Herbst des Jahres 1792 traf aus der Österreichischen Hofkanzlei in Wien eine Verordnung in Graz ein, die Maßnahmen zum vorbeugenden Brandschutz darlegte. Für die Grundherrschaften und Dörfer am flachen Land wurde eine eigene Feuerordnung vom 20. Oktober 1792 erlassen. Darin wird gefordert, dass beim Bau neuer Häuser ausreichend Abstand zu den Nachbarobjekten gehalten wurde und dass ansonsten hochstämmige Bäume (Nußbäume) Schutz gegen Ausbreitung des Feuers bilden sollten. Hölzerne Rauchfänge waren nicht mehr gestattet und die Hausherrn waren angehalten regelmäßig die Rauchfänge zu kehren oder von Rauchfangkehrern kehren zu lassen. Die Gemeinden mußten ordentliche Verträge mit den Rauchfangkehrermeistern abschließen. Auch die Dorfrichter hatten künftig auf das Kehren der Öfen und Rauchfänge zu achten und unvermutete Kontrollen durchzuführen und bei Verstößen der Obrigkeit anzuzeigen. Die "Feuervisitation" (heute Feuerbeschau) war genau geregelt.
Von 1792 bis 1804 war der Lebzelter Franz Xaver Pinter Marktrichter von Wildon. (Hengist Magazin 3/2005)
1793: Kaiser Joseph II. reformiert die bürgerliche Selbstverwaltung. An die Stelle des Marktrichters trat ein Bürgermeister, dem ein rechtskundiger und geprüfter Syndicus als Erster Rat begegeben. Auf den Marktschreiber folgte ein Kanzlist, der ebenso wie der Gerichtsdiener im Rathaus wohnte. (Hengist Magazin 1/2007)
Im Herbst 1792 traf aus der Österreichischen Hofkanzlei in Wien eine Verordnung im Grazer Gubernium ein, die den vorbeugenden Brandschutz darlegte. Sie unterschied zwischen geschlossenen Siedlungen (Städte und Märkte) und den Dörfern auf dem Land. Häuser sollten mit Ziegeln gedeckt sein (keinesfalls mit Stroh). Bei herrschaftlichen Gebäuden, Kirchen, Pfarrhöfen waren Ziegel obligatorisch. (Hengist Magazin 3/2007)
Rauchfänge aus Holz wurden verboten. Rauchfangkehrermeister waren der Baukommission beizuziehen. Die Rauchfänge in kurzen und regelmäßigen Abständen durch befugte Rauchfangkehrer zu reinigen. Ebenso wurden in den Magistraten Feuerkommissare eingerichtet (Feuerbeschau - Feuervisitation). (Hengist Magazin 3/2007)
Die Franzosenkriege: 1797, 1801, 1805 und 1809. (Hengist Magazin 3/2009)
1794: Die Bauarbeiten bei der Pfarrkirche St. Margarethen (Lebring) werden vom Bezirkskommissär auf Oberwildon, Ignaz Böss, als controllierenden Bauführer und Pfarrer Ernest Satori (Pfarrer 23. April 1794 bis gestorben am 09. März 1800) im Sommer in Angriff genommen.
1794 erwirbt der Wildoner Gastwirt Franz Xaver Schrott die Poststation in Lebring. Die napoleonischen Kriege (1797, 1802, 1805, 1809) brachten Unsicherheiten im Postwesen mit sich. Couriere mußten die Posttransporte sichern und Postknechte wurden auch wegen der Wertsachen überfallen. (Hengist Magazin 2/2005)
Im Frühjahr 1795 wird in der ganzen Steiermark ein 40-stündiges Gebet für Kaiser Franz II. und den Frieden angeordnet.
Im März 1797 marschieren französische Truppen über Neumarkt, Judenburg, Leoben nach Graz ein. Am 19. April zog die erste französische Brigade mit 8000 Mann die Triester Kommerzialstraße von Süden kommend über Wildon nach Graz. Im gesamten Leibnitzerfeld errichteten die Franzosen Barackenlager und forderten Brot, Fleisch und Wein. Offiziere quartierten sich in Bauern- und Bürger- und Pfarrhäusern ein. Die zweite Division marschierte am 28. April 1797 durch und nahmen der Bevölkerung alles, notfalls mit Gewalt. Pferde müssen an die Besatzer abgeliefert werden. (Hengist Magazin 2 und 3/2009)
Im August 1797 gestatten die staatlichen Behörden das Wetterläuten wieder.
Josephinische Landaufnahme 1787
Chronik von 1800 bis 1899
Um 1800: Der in Oberwildon amtierende Landgerichtsverwalter Ignatz Böß darf die Kriminalprozesse selbst führen (ohne Bannrichter). (Hengist Magazin 2/2007)
Maria Ruesin (Ruess) aus Oisnitz, Magd bei Georg Haas, vulgo Stegschuster, brachte in der Nacht vom 26. auf 27. Dezember 1799 ein Kind zur Welt, das jedoch verschwunden blieb. Als Kindsmörderin wurde sie zu drei Jahren hartem Gefängnis und öffentlicher Arbeit in Eisen verurteilt. Außerdem wurde sie zu Beginn und am Ende ihrer Strafzeit mit jeweils 15 Rutenstreichen gezüchtigt. (Hengist Magazin 2/2008)
Ein Kaplan aus der Dekanatspfarre Wildon versieht Dienst als Provisor in der Pfarre St. Margarethen bei Lebring, nachdem Pfarrer Ernest Satori am 9. März 1800 verstarb. (Hengist Magazin 3/2009)
1801: Französische Besatzung in Steiermark.
1803 stirbt Dr. Joseph Edler von Griendl 64-jährig in Graz. Beigesetzt wurde er bei der Pfarrkirche Wildon (Grabstein an der Außenmauer). Zum Barvermögen von 324.000 Gulden kamen noch Realitäten wie die Herrschaft Oberwildon, die Bockbergmeierei, die der "Edlahof" in Großfeiting. Das Erbe trat sein Sohn Franz Xaver Edler von Griendl (1777 - 1858) an.
1804: Eine Feuersbrunst zerstört Wildon.
1804: Der Advokat Dr. Josef Edler von Griendl (Professor und Rektor der Universität Graz) wird in der Pfarrkirche Wildon zu Grabe getragen. Ein Grabstein an der Kirchenaußenmauer erinnert an den Grundherren der Herrschaft Oberwildon.
1805: Französische Besatzung in der Steiermark.
Adrian des Enffans d'Avenas kauft 1805 die Herrschaft Neuschloss und 1808 die Herrschaft Freibühel. (Hengist Magazin 2/2009)
1806 bietet der Lebzelter Franz Xaver Pinter sein Haus, heute Unterer Markt 38, in der "Grätzer Zeitung" zum Verkauf an. Johann Wibmer, ebenfalls Lebzelter, kauft es. (Hengst Magazin 3/2005)
Zäzilia Haring, eine mutmaßliche Kindsmörderin aus Gleinstätten, wird am 31. Dezeber 1807 in das Landgericht Oberwildon gebracht, wo sie ihr Verbrechen auch einbekannte. Der damalige Landgerichtverwalter und Kriminalrichter Ignatz Böß verurteilte sie zu zehn Jahren schweren Kerker, die die Frau zunächst bis 1809 im Zuchthaus am Grazer Schlossberg, dann im ehemaligen Jagdschloss Graz Karlau verbringen mußte.
1809: Französische Besatzung in der Steiermark.
1810: Ein Blitzschlag trifft die Burg am Schloßberg und löst einen verheerenden Brand aus. Die Burg ist seitdem dem Verfall preisgegeben. Die Gefängniszellen werden in das sog. "Stockhaus" neben dem Unteren Schloss Wildon verlegt. (Hengist Magazin 3/2007)
1811: Staatsbankrott von Österreich. (Hengist Magazin 2/2007)
1811 wird eine Briefsammelstelle in Wildon unter dem Postamt Lebring eingerichtet. (Hengist Magazin 1/2005).
1811 kauften die Lebzelter Anton und Theresia Fürst das Lebzelterhaus, heute Unterer Markt 38. Die Fürst arbeiten als Lebzelter außer in Wildon noch in Kapfenberg, Mureck, Pettau und Weiz. (Hengst Magazin 3/2005) Familie Fürst besaß noch den "Fürstenhof", vulgo Lebzelter, heute Im Rasental 1, der von verschiedenen Adelsfamilien zum Edelhof ausgebaut wurde. (Hengst Magazin 3/2005)
1813 konnte kein neuer Benefiziat auf Schloss Schwarzenegg mehr besoldet werden, weil das Stiftungskapital nach den Franzosenkriegen und dem Staatsbankrott von 1811 kaum noch Zinsen trug. (Hengist Magazin 2/2007)
1813: Rauchfangkehrer Johann Hagenreiter und seine Ehefrau Magdalena besitzen das Haus Hauptplatz 54 (früher Wildon Nr.81, später 74). Der Tabakverleger Leopold Schäffer erwarb das Haus 1814, verzichtete aber auf die Rauchfangkehrergerechtigkeit. (Hengist Magazin 3/2007)
1814 "übersiedelt" das Rauchfanggewerbe in das Haus Nr. 65 (heute Unterer Markt 34), in dem vorher schon eine Seilerei und danach eine Riemerei betrieben wurden. (Hengist Magazin 3/2007) Siehe 1826
Im Winter 1814/1815 tagt bzw. tanzt der "Wiener Kongress" zur Neuordnung Europas nach den napoleonischen Kriegen. (Hengist Magazin 2/2005) Die Ballsäle, vormals dem Adel vorbehalten, wurden für alle Bevölkerungsschichten in den Städten geöffnet. Getanzt wurden Quadrille, Deutscher Tanz, Ländler, Ecossaise, Cottillon und Walzer. Der Unterricht von Tanz und Anstandslehre oblag ständischen Tanzmeistern unter denen Josef Seve (1800 - 1816) ein Gut in Afram bei Wildon besaß. (Hengist Magazin 2/2005)
1815: Der Sprengel des Wildoner Rauchfangkehrers war sehr ausgedehnt über weite Teile der mittleren Steiermark: Mureck, Leibnitz, Sausal, Schwanberg, Leutschach, Preding, Kalsdorf und Fernitz. Das geht 1815 aus einem Bericht des Magistrates Wildon an das Kreisamt in Graz hervor. Anlass war ein Gesuch des Rauchfangkehrers Wilhelm Pitreich, sich in Leibnitz als Rauchfangkehrer niederzulassen. Der Wildoner Magistrat wollte den ansässgen Rauchfangkehrer im Erwerb schützen. (Hengist Magazin 3/2007)
1819 ertauscht der Wildoner Fleischer und Gastwirt Joseph Schally den Kreuzwirt (Raggamhaus) in Lebring mit seinem Gewerbe in Wildon, heute Bauer-Haus gegenüber der Pfarrkirche Wildon. (Hengist Magazin 2/2009).
Im November 1819 wird die Filiale der Landwirtschaftsgesellschaft von Erzherzog Johann in Wildon ins Leben gerufen. Sie umfasste die Grundherrschaften Oberwildon, Seggau, St. Georgen, Rohr, Waldegg, Neuschloß und Waasen und zählte rund 120 Mitglieder. Erster Obmann war Ernst Freiherr von Kellersperg, Frauheim, später Franz Ritter von Griendl, Oberwildon. Bürgermeister des Marktes Wildon und Mitglied im Ausschuss war Leopold Jandl. Die Kaiserliche Bewilligung wurde am 4. Februar 1819 erteilt. Besonders Vieh- und Baumzucht sowie Baumschulen waren von Interesse. (Hengist Magazin 2/2009)
1822 ersteigern Andreas und Theresia Hubmann, bürgerliche Gastgeber in Wildon, den Kreuzwirt in Lebring.
1822 übernimmt Jakob Löffler die Briefsammlung in Wildon. Er war zwar im Markt ansässig, besaß aber kein Bürgerrecht und war auch nicht Haus- oder Grundstücksbesitzer. (Hengist Magazin 1/2005) . Allerdings darf er als angesehener "Inwohner" (Haidstaller) gelten. Er erhielt rund 30 Gulden Fixlohn pro Jahr und 5 Prozent aller eingehobenen Porto- und Frankogebühren bei einem Barumsatz von rund 300 Gulden pro Jahr. Er unterstand dem Lebringer Postmeister Franz Kollmann, der ihn in Buchführung und Rechnungswesen unterwies.
Am 30. März 1824 visitiert Erzherzog Johann die Filiale Wildon der Landwirtschaftsgesellschaft. Im Wildoner Rathaus wurde die Sitzung gehalten.
1826 kaufen die Inhaber des Rauchfangkehrergewerbes Joseph und Johanna Tiefenbrunner das Haus Nr. 65 (heute Unterer Markt 34) von Franz Gollner. (Hengist Magazin 3/2007)
Anfang Juni 1827 führen heftige, lang anhaltende Regenfälle zu einem verheerenden Hochwasser in der Steiermark. Vor allem entlang der Mur werden viele Brücken beschädigt und unpassierbar. Straßen werden überflutet oder weggespült. Postrouten konnten über mehrere Wochen nicht befahren werden. Das Leibnitzer Feld war völlig überschwemmt.
1828 verkauft Franz Xaver Schrott die Lebringer Poststation um rund 20.000 Gulden. Allein das Postregal wurde mit 8000 Gulden bewertet. (Hengist Magazin 2/2005)
1828 wird die Brandschaden-Versicherung gegründet. In der Folge entstehen zahlreiche neue bäuerliche Wirtschaftsgebäude mit Ziegelgitter um Schäden durch Selbstentzündung von Heu zu vermeiden. (Hengist Magazin 2/2005)
Im März 1829 ist Erzherzog Johann wieder bei einer Filialsitzung der Landwirtschaftsgesellschaft in Wildon. (Hengist Magazin 2/2009)
1830 wird Carl Glanner, geboren 1787 in Marburg, 1810 zum Priester geweiht, Dechant und Pfarrer von Wildon bis 1853. (Hengist Magazin 3/2009)
Am 8. Oktober 1831 ist Erzherzog Johann wieder bei einer Filialsitzung der Landwirtschaftsgesellschaft in Wildon. (Hengist Magazin 2/2009)
Im Jahr 1832 wird der Friedhof aus sanitätspolizeilichen Gründen von der Pfarrkirche zum heutigen Standort in Kainach übersiedelt. In unmittelbarer Nähe wurde 2007 das urnenfelderzeitliche Gräberfeld (1200 bis 800 v. Chr.) ergraben. (Hengist Magazin 1/2004)
1834 erwirbt der Wildoner Bürger Joseph Knopper (geboren 25. April 1781, gestorben am 1. Juli 1853 als letzter Erbpostmeister der Steiermark, Grabstein St. Margarethen) die Lebringer Poststation. Die Besoldung betrug 200 Gulden jährlich plus 5 % Anteil der baren Portoverrechnung für Geld- und Frachtsendungen. (Hengist Magazin 2/2005)
1835: Baron Dr. jur. Joseph Edler von Neupauer erwirbt Gut und Schloss Schwarzenegg. (Hengist Magazin 2/2007, Naschenweng, Hengist Magazin 3/2006)
1836: Auf einem Buch der Wildoner Pfarrbibliothek (theologischer Traktat von Erasmus von Rotterdam) , wurde vermerkt: Joseph Pasch, Inhaber des Kaffehhauses zu Wildon. (Hengist Magazin 3/2009)
Mit 1. April 1837 wird in Wildon eine selbständig kartierende Briefsammlung unter Alois Lippert eingerichtet. Der Zustellbezirk reichte bis Kirchbach, St. Stefan im Rosental, Wolfsberg im Schwarzautal. Die Wegstrecken betrugen bis zu 5 Postmeilen, rund 37 Kilometer. Entsprechend gab es Klagen über Verspätungen und Unregelmäßigkeiten. (Hengist Magazin 1/2005)
Zum Jahreswechsel 1837/1838 ziehen die Gesellen des Wildoner Rauchfangkehrermeisters Joseph Tiefenbrunner (Joseph Diefenbruner), im heutigen Haus Unterer Markt 34) durch Wildon und die umliegenden Gemeinden mit der Jahresrechnung und den besten Wünschen für ein gutes neues Jahr. (Hengist Magazin 3/2007)
1839 erhält die Schlosskapelle von Schwarzenegg die Vorrechte einer öffentlichen Kapelle. (Hengist Magazin 2/2007)
Am 10. und 11. April 1840 ist Erzherzog Johann wiederum bei einer Filialsitzung der Landwirtschaftsgesellschaft in Wildon. In seinem Tagebuch nennt er den Filialvorsteher Griendl, den Syndikus (juristisch geprüften Magistratsrat) Vinzenz Hermann, Bürgermeister Michael Berner. Johann steigt im Gasthaus des Lebzelters Anton Fürst, heute Unterer Markt 38, ab. Fürst besaß eine Dampfmaschine, die ein einfacher Landmann von hier gebaut hat. Fürst besaß auch den "Fürstenhof" in Unterhaus, heute Alte Reichsstraße 40 (Villa Herberstein). (Hengist Magazin 2/2009)
Im Sommer 1844 stand in der Steirmark im Zeiche des angekündigten Besuchs von Kaiser Ferdinand I. (Regentschaft von 1835 bis 1848) wiede eine Inspektionsfahrt von Erzherzog Johann von Graz nach Marburg auf dem Programm. Die Südbahn war gerade in Bau. (Hengist Magazin 2/2009)
Am 1. Juni 1846 eröffnet die Südbahn auf der Strecke von Graz nach Cilli einen Bahnhof in Wildon. Die Postbeförderung mit Pferdepostwagen wird eingestellt. Die Poststationen Kalsdorf und Straß werden aufgelöst, einzig Lebring führt den Betrieb weiter. Joseph Knopper erhält den Auftrag von der Grazer Postdirektion zumindest 4 Pferde für Notfälle bereit zu halten. (Hengist Magazin 2/2005)
1848: März Revolution in Wien. Der erste gewählte Österreichische Reichstag entsteht. Die Bauernbefreiung auf Betreiben von Hans Kudlich gelingt. Bauern werden Eigentümer des Landes. Die Grundherrschaften werden von neuen Verwaltungsbehörden abgelöst (freie Ortsgemeinden, Bezirkshauptmannschaften, Statthalterei, Gerichte). (Hengist Magazin 1/2008)
1849 bis 1854 bestehen Bezirkshauptmannschaften.
1849 kann sich das Postamt Wildon wieder auf seine unmittelbare Umgebung konzentrieren. (Hengist Magazin 1/2005)
Am 27. Juni 1850 reist Erzherzog Johann nunmehr mit der Eisenbahn nach Wildon. Sekretär der Landwirtschaftsgesellschaft ist Franz Xaver Hlubek und Filialvorsteher ist Moriz Ritter von Franck, Schloss Finkenegg, später Bürgermeister von Graz. Wiederum speiste er beim Lebzelter Anton Fürst. (Hengist Magazin 2/2009).
1850: Die Ortsgemeinden Wildon und Unterhaus entstehen nach der Auflösung der Grundherrschaften. Die Sitzungsprotokolle ab 1851 sind im historischen Archiv Wildon.
Als regionaler Zentralort war der Markt Wildon seit 1850 bis 2002 Sitz eines Bezirksgerichtes. Dieses war seit 1879 bis 2003 im ehemaligen Rathaus untergebracht, heute Hauptplatz 47.
Seit 1850 gab es einen Gendarmerieposten in Wildon, der seit der Polizeireform 2003 nunmehr als Polizeiinspektion bezeichnet wird.
1851: Gründung eines Kriegsveteranenvereins (heute würde man Kameradschaftsbund sagen) unter Protektor Baron Bachofen-Echt.
1853 unterfertigten die Marktgemeinde Wildon und Justizärar einen Mietvertrag über das Rathaus auf ewige Zeiten. Die märktische Gemeindekanzlei mußte dem Bezirksgericht und dem Steueramt weichen und übersiedelte in das Haus Nr. 72, heute Hauptplatz 54. (Hengist Magazin 1/2007)
1854 bis 1868 gab es "Bezirksämter", denen die politische Verwaltung als auch richterliche Befugnisse zukamen.
Die Marktgemeinde Wildon war aufgrund der des Statthalterei-Erlasses vom 20. Juli 1854 berechtigt, folgende Krämermärkte abzuhalten: 24. Februar (Matthias - in Schaltjahren am 25. Februar), am Osterdienstag, am 2. Juli (Maria Heimsuchung), am 22. Juli (Magdalena), am 29. September (Michael), und am 25. November (Katharina).
1855: Der Pfarrhof, heute Oberer Markt 79, in seiner heutigen Gestalt wird gebaut.
1855: Graf d'Avernas auf Freibühel stiftet eine Katholische Mädchen Volksschule der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Hengsberg. (Hengist Magazin 2/2009).
1857 erscheint eine Lithographie von Wildon vom steirischen Künstler Joseph Kuwassegg. Eine Illustration von Carl Reichert zum Artikel "Wildon" im "Topographisch-statistischen Lexikon der Steiermark" von Joseph Andreas Janisch, Band 3 (1885). (Obersteiner, Hengist Magazin 3/2006)
1858: Franz Xaver Edler von Griendl stirbt (1777 - 1858). Er diente beim steirischen Landrecht ehe er 1827 in die Funktion eines ständischen Verordneten eintrat - vergleichbar einem heutigen Landesrat. Mehrmals wiedergewählt übte er die Funktion bis 1840 aus. Im Testament verfügte er Legate an die Wildoner Armen, den Sohn Wilhelm des braven Verwalters von Oberwildon Senekowitsch sowie seiner Wirtschafterin Anna Knoppitsch. Die Pfarre Wildon erhielt zwei schöne Messkleider samt Zubehör, die zuvor noch im Schloss Wildon aufbewahrt wurden. Universalerben wurden seine Neffen Franz Xaver (1821 - 1867) und Josef (1823 - 1873). Franz Xaver Ritter von Griendl wurde ebenfalls Jurist, übernahm das Gut Oberwildon, saß in der Bezirksvertretung Wildon und fungierte nach 1864 als Gemeindevorsteher von Unterhaus. (Obersteiner, Hengist Magazin 1/2006)
Um 1860 betätigten sich Franz Freiherr von Gorizutti, Feldmarschallleutnant i. R. und Besitzer von Afram-Marienhof, und der Wildoner Schuhmachermeister und Hausbesitzer Josef Neubauer als Imker. (Hengst Magazin 3/2005)
Seit 1866 war Wildon Sitz einer Bezirksvertretung, die bis 1938 als autonomer Bezirksausschuss das Straßen- und Brückenwesen sowie Angelegenheiten der Armenversorgung und Landeskultur besorgten. Vorsitzender war lange Jahre hindurch seine Exzellenz (Geheimrat) Max Freiherr von Washington. (Hengist Magazin 1/2004).
1868: In Wildon wird eine Sparkasse gegründet - eine der ersten in der Steiermark.
1869: Mit dem Reichsvolksschulgesetz erfolgt die Verstaatlichung der Volksschulen. Die Lehrer werden vom Staat besoldet.
Mit dem Staatsgrundgesetz 1867 werden 1869 die Bezirkshauptmannschaften für die politische Verwaltung wieder installiert und die Justizangelegenheiten in Bezirksgerichten abgehandelt. Aufgabe der BH war seitdem auch die Aufsicht über die Gemeinden sowie die Aufrechterhaltung von Ruhe, Ordnung und Sicherheit, Vereins-, Wasser-, Bau- und Gewerberecht. Dem Bezirkshauptmann war die lokale Gendarmerie unterstellt. Zentrale Behörde für Steiermark war die Statthalterei in Graz. In den Ortschaften wurden Gemeindevorsteher gewählt. (Hengist Magazin 1/2008)
1869: Stiftung einer Klosterschule für Mädchen, heute Oberer Markt 102, betreut durch die Schulschwestern.
1872: Das Inventar des Schlosses Wildon wird öffentlich feilgeboten. Möbel und Gerätschaften fanden den Weg in umliegende Bürger- und Bauernhäuser. Gut Oberwildon erwirbt 1873 Dr. Josef von Neupauer, Eigentümer von Schwarzenegg. (Obersteiner, Hengist Magazin 1/2006)
1873 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet.
1873: Weltausstellung in Wien. Die Beteiligung der Steiermark koordiniert der Ehrenbürger von Wildon Gustav Conrad. Er war von 1856 bis 1860 Bürgermeister der Stadt Pest (Budapest), erwarb 1860 die Herrschaft Herbersdorf in Allerheiligen bei Wildon. Er war Vizepräsident der k.k. Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft und stand der Filiale Wildon jahrelang vor. Er war leitedes Mitglied der Grazer Wechselseitigen Versicherung sowie Abgeordneter im steiermärkischen Landtag, in dem er den Großgrundbesitz vertrat. Als solcher war er auch Mitglied im Landesausschuss (autonome Landesregierung). Das Freiherrndiplom stammt vom 20. Februar 1874. (Hengist Magazin 2/2005)
1873: Straßenseitiger Zubau und Umbau beim nun als Landessiechenhaus für die Mittelsteiermark genutzen Unteren Schloss, heute Hauptplatz 55 (bis 1931). (Obersteiner, Hengist Magazin 1/2006). Der damalige Bezirkshauptmann von Leibnitz, Alphons Ritter von Scherer, war ein Schwager des 1867 verstorbenen Franz Xaver Ritter von Griendl.
Ein Postamt gibt es seit 1873 - allerdings hat bereits bis 1751 ein Postmeister in Wildon seinen Sitz gehabt.
1874 kaufen die Lebzelter Josef und Theresia Moshammer die Lebzelterei (bis 1878) des Cajetan Fürst. (Hengst Magazin 3/2005)
Zwischen 1874 und 1891 wird die Mur zwischen Graz und Mureck reguliert. Dies führt zur völligen Umgestaltung des Flusslaufes.
1877 wird Max Freiherr von Washington (1829 - 1903), seit 1855 ansässig auf Schloss Pöls, zum Präsidenten der Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft gewählt. Er fungierte auch für den Bezirk Wildon als Abgeordneter der Kurie der Großgrundbesitzer im Steiermärkischen Landtag. Ab 1879 war er auf Lebenszeit Mitglied des Herrenhauses in Wien. Von 1874 bis 1902 war er Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Sparkasse Wildon. 1892 dotierte die Sparkasse den "Baron Washington Fonds" für wohltätige und gemeinnützige Zwecke. (Hengist Magazin 1/2004).
Von 1877 bis 1885 wirkte Ignaz Heinrich Joherl (1848 - 1933) als Kaplan in Wildon, ab 1887 Pfarrer in Feldkirchen bei Graz. (Hengist Magazin 1/2009)
1878 kaufen die Lebzelter Carl und Johanna Ortner, das Lebzelterhaus, heute Unterer Markt 38. (Hengst Magazin 3/2005)
1878: Die "Siechenhaus-Wasserleitung" zum Schloss Wildon wird gebaut und aus der "Leximiquelle" (Reinbachquelle) gespeist. Damit wird der Grundstein für eine Wasserversorgung auch für die Gehöfte und Häuser entlang der Wasserleitung in Unterhaus gelegt.
Der Landes-Siechehaus-Verwalter Emil Neher übergab 1884 dem Landesmuseum Joanneum einen "Ohrring in Möndleinform aus Afram bei Wildon". (Hengist Magazin 1/2010)
1884 wird die Schlosskapelle Schwarzenegg von Baron Neupauer unter großen Kosten renoviert. (Hengist Magazin 2/2007)
1886 fährt Karl Kellner, Inhaber der Wildoner Färberei, und der Kaufmann Friedrich Unger auf einem Hochrad ("Bicycle") durch den Markt Wildon. (Hengist Magazin 1/2008)
1887: Der Verein "Wildoner Radfahrer" wird gegründet. Obmann der 26 unterstützenden Mitglieder war der Wildoner Kaufmann Friedrich Unger. Ähnliche Vereine gab es schon in Graz und Marburg. Im Gründungsjahr wude ein 10-Kilometer Straßenrennen von Lebring bis zur Einfahrt der damaligen Marktgemeinde Leibnitz veranstaltet. Von vier Teilnehmern war Alois Zechner mit 29 Minuten der Schnellste. (Hengist Magazin 1/2008)
Am 19. April 1891 war Wildon das Ziel der "Gaupartie" des steirischen Gauverbandes der Radfahrer. (Hengist Magazin 1/2008)
1889: Gewerke Franz Heresch erwirbt vom damaligen Wildoner Bürgermeister Ritz eine Mühle mit Ölmühle am Weissenegger Mühlgang, Sägewerk und eine Landwirtschaft. Nach damaliger Wahlordnung war er damit einziger Steuerzahler in der höchsten Steuerklasse der Gemeinde Wildon und damit auch automatisch Mitglied der Gemeindevertretung. Der Kauf bildete den Ursprung der heutigen Hereschwerke. Ab 1902 wird ein E-Werk betrieben. (Wiesflecker, Hengist Magazin 2/2006).
1891 wurde der Männergesangsverein gegründet.
1891: Pfarrer Ignaz Heinrch Joherl legt eine Chronik "Wildon - Einst und Jetzt" auf Anregung von Bürgemeister Leopold Schafzahl, auf. (Hengist Magazin 1/2009)
1894 verkaufte die Marktgemeinde unter Bürgermeister Friedrich Unger das Rathaus um 4000 Gulden an den Staat. Der Verkaufserlös wurde zum Ankauf des Eggenbergischen Mauthauses Nr. 43, heute Unterer Markt 25, für das Gemeindeamt verwendet. (Hengist Magazin 1/2007)
1895 war Obmann des damals 43 ausübende und 15 unterstützende Mitglieder zählenden Vereines "Wildoner Radfahrer" der Volksschullehrer Johann Grabenwarter, zuvor Schrift- und Säckelwart. In der Vereinschronik (Pfarrarchiv Wildon) wird bewundernd über das Motor-Zweirad mit 70 km pro Stunde genannt. (Hengist Magazin 1/2008)
1897: Gemäß Bewilligung der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz vom 27.11.1897 werden Wasserleitungen entlang der Triester (Alte) Reichsstraße zur Versorgung des Wildoner Marktes mit Trinkwasser verlegt. Brunnen gab es im Unteren Markt, am Hauptplatz und im Oberen Markt. Einzelne Häuser im Markt verfügten sogar über Quellen im eigenen Keller. Die Wasserleitungen werden 1899 fertig gestellt.
1898: Anläßlich des 50-jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz Josef II. wird im Quellenweg in Unterhaus der sog. Kaiserbehälter mit 100 m³ Fassungsvermögen in Betrieb genommen. Der Wasserbehälter wird aus den sog. Zöhrerquellen gespeist, Grundstück Nr. 332 und 224/1, Gründstücke des Baron Neupauer und sog. Seyd’sche Quelle.
1898 übersiedelt der Wildoner Lehrer und Imker Johann Grabenwarter nach Fernitz. (Hengst Magazin 3/2005)
Am 12. März 1899 rufen Alois Zechner, Mühlenbauer in Wurzing, und der Schuhmachermeister Josef Neubauer, Hausbesitzer in Wildon, als Proponenten alle Bienenzüchter in Wildon und Umgebung zur Gründung des Bienenzuchtvereines in das Gasthaus und Lebzelterei des Carl Ortner, heute Unterer Markt 38. Alois Zechner wird zum ersten Obmann gewählt (bis 1940). Anfangs zählte der Verein 20 Mitglieder. (Hengst Magazin 3/2005)
Franziszäischer Kataster von 1820 - Wildon
Der Katasterplan aus dem Jahr 1820, heute im Stmk. Landesarchiv, zeigt den noch unregulierten Murverlauf, die bebauten Grundstücke (rot) und die damaligen Riedbezeichnungen für die Katastralgemeinde Wildon. Typisch auch die kleinen, streifenartigen Parzellen, die der Versorgung der "Ackerbürger" Wildons dienten.
Chronik von 1900 bis 1999
1902 verstirbt Baron Dr. Joseph Edler von Neupauer im Alter von 96 Jahren im Schloss Schwarzenegg. Er wurde am Wildoner Friedhof beigesetzt. Sohn Gustav verkaufte Schwarzenegg an Dr. Franz Georg Strafella. (Hengist Magazin 2/2007)
1902 entstand neben der Heresch-Mühle am Weissenegger Mühlgang ein mit Wasserkraft betriebenes Elektrizitätswerk zur Stromversorgung des Marktes Wildon. Dem Bescheid vom 19. September 1902 über Bau und Betrieb des E-Werkes folgte die Inbetriebnahme bereis im November 1902. Die Turbine Nr. 308 wurde von der Maschinenfabrik Andritz AG aus Graz geliefert. (Wiesflecker, Hengist Magazin 2/2006)
1904 hat der Wildoner Kaufmann Josef Überbacher einen "Universal Bienenstock" entwicket und in einem vierseitigen Werbeprospekt beschrieben. (Hengst Magazin 3/2005)
1908 gab es eine anonyme Anzeige bei der BH Leibnitz, dass in den Wildoner Bäckereien die Schlafzimmer der Gehilfen nicht beheizbar wären. Die BH forderte die Marktgemeinde Wildon mit Gemeindesekretär Gottfried Friedrich und Bürgermeister Friedrich Unger zum Ortsaugenschein auf. Die Bäckermeister Julie Tropbauer, Gottfried Kiefer, Josef Überbacher und Maria Greiner wurden von der BH aufgefordert, den Gehilfen heizbare Räume zuzuweisen. 1909 konnte das Marktgemeindeamt die Vollzugsmeldung erstatten. (Hengist Magazin 1/2008)
1914 - 1918: Erster Weltkrieg.
1917: Die Eisenbrücke in Wildon über die Kainach wird errichtet. (Quelle: Inschrift).
Von 1918 bis Ende der 1920er wird Kohle in Dillach (Mellach) bei vulgo Eggenschaffer abgebaut, micht Ochsenfuhrwerk zum Bahnhof Wildon gebracht und mit der Eisenbahn nach Graz befördert. (Hengist Magazin 3/2009)
1919 erwirbt Franz Heresch den Taborhof in der Wurzinger Straße. Vorbesitzer waren von 1865 bis 1891 Philipp Graf Khuen-Belasi, 1891 bis 1914 Familie Schützenau-Trenk, die 1907 einen Umbau vornahm, 1914 bis 1919 Adolf Maurer. (Wiesflecker, Hengist Magazin, 2/2006)
In den ersten Jahren der Republik gab es Bestrebungen zur Enteignung von Elektrizitätsversorgungsunternehmen und Enteignung von Schlössern nach dem Steirischen Schlösserenteignungsgesetz. Die Enteignung von Taborhof und Afram-Marienhof war bereits im Grundbuch vermerkt. Man scheute sich jedoch, gegen ausländische (adelige) Staatsbürger vorzugehen (Staffelbach, Doret). (Wiesflecker, Hengist Magazin 2/2006).
Der Arzt Dr. Alexander Bullmann (gestorben 1947) heiratete 1912 die Hereschtochter Marie (1884 - 1969) und war in den ersten Jahren der Ersten Republik Bürgermeister von Wildon. (Wiesflecker, Hengist Magazin 2/2006).
1922: Die Glocken der Pfarrkirche mussten im Ersten Weltkrieg abgegeben werden und wurden nun wieder angebracht.
1922 wird ein zweites Kraftwerk von Franz Heresch errichtet. (Wiesflecker, Hengist Magazin, 2/2006)
In der Karwoche 1924 findet Franz Hasslacher aus Lebring auf der Steinmaißspitze auf der westlichen Kuppe vom Buchkogel ein Bronzebeil. Darauf fühte Prof. Dr. Walter Schmid noch 1924 eine archäologische Grabung durch nachdem der Grundeigentümer Gustav Freiherr von Neupauer (Schloss Schwarzenegg) die Genehmigung erteilt hatte. Es lagen mindestens zwei Siedlungsschichten vor, eine bereits aus der Kupferzeit (3000 vor Christus) und eine Siedlung aus der Urnenfelderzeit um 1000 - 800 vor Christus.
Von 1926 bis 1928 wurde das Wildoner Wasserleitungssystem im Ortskern erweitert.
Der Februar 1929, dem kältesten Monat des Jahrhundert, sank die Temperatur auf bis zu minus 35 Graz Celsius. Die Mur war komplett vereist. Die Eisstöße bedrohten die damals noch hölzerne Murbrücke in Wildon. (Bericht und Foto im Hengist Magazin 3/2009)
1929: Pfarrer Alois Schriebl gehört dem Gemeinderat Wildon an.
1929: Franz Heresch wird der Titel Kommerzialrat verliehen. (Wiesflecker, Hengist Magazin 2/2006)
1930: Das Schloss Wildon ("Freihaus", "Landessiechenhaus", "Unteres Schloss") kommt in Besitz der Marktgemeinde Wildon, die hier Wohnungen und Hauptschule einrichtet.
1930 wird der hallstattzeitliche Grabhügel "Galgenkogel" (heute im Bereich Burgfriedweg) erforscht (Marianne Grubinger) (Hengist Magazin 1/2005).
1930: Mit Bescheid vom 27.05.1930 der BH Leibnitz wird die Bewilligung zur Erneuerung der Quellstube bei der Leximiquelle und Erneuerung der bisher offnen und hölzernen Wasserleitungsrohre erteilt. Im Landessiechenhaus (Schloss) Wildon halten sich samt Pflegepersonal rund 150 Personen auf. Viktor Janschitz ist Oberverwalter des Landessiechenhauses Wildon.
1931: Bürgermeister Zaunschirm in Wildon.
Im Mai 1932 findet anlässlich der Diamantenen Hochzeit des Ehepaares Franz und Therese Heresch eine Feldmesse im Taborhof mit rund 1000 Personen statt. (Wiesflecker, Hengist Magazin 2/2006).
1933: Bürgermeister Anton Fuchs in Unterhaus, vulgo Mattl.
1934: Die Ortgruppe Wildon des Roten Kreuzes wird gegründet. Die Rettungsstelle wird in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr in Betrieb genommen. Der Raum, in dem die Dienstmannschaft untergebracht war, wurde von der Sparkasse zur Verfügung gestellt. Das Fahrzeug war im ehemaligen Gemeindehaus, heute Unterer Markt 25, untergebracht. Der aus Deutschland stammende Hans Juhnke war der erste hauptamtliche Mitarbeiter. Ihm folgten Erich Leitinger, Rudolf Knopp und Josef Frießer.
1934: Dr. Josef Pittermann eröffnet eine Tierarztpraxis in Wildon und wird zum Geschäftsführer der Fleckviehzuchtgenossenschaft gewählt. Ab 1937 wird Dr. Pittermann zum Landesbezirkstierarzt bestellt, jedoch 1938 nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich aus dem Landesdienst entlassen.
1935: Bürgermeister Franz Schwarz in Wildon.
1935: Gründung des Fußballvereins.
1935 wird der Verein, vermutlich aus dem Unterhauser Fußballclub, gegründet.Als Obmann fungiert der Kaufmann Siegfried Überbacher sen.
Kerschbaumer, Klancnik, Otter, Mandl und die Brüder Haluschan bilden das Fundament der Mannschaft.
Nach dem zweiten Weltkrieg wird der Verein unter dem Präsidenten Anton Schmiedbauer neu "gegründet", die Vereinstätigkeit wird wieder aufgenommen.
Die Spielstärke entspricht der heutigen Unterliga.
Die Mannschaft damals -- Tor: Sepp Walch ( später Otto Scherübl ); Verteidigung: Franz Zöhrer, Otto Gröscheneg; Läufer: Peter Oremek, Josef Ninaus, Dr. Willi Praßl, Karl Sekli; Stürmer: Kurt Stöffler, Albert Festl, Felix Sekli, Franz Praßl, Herbert Sammer.
Gegner von damals: Deutschlandsberg, Fürstenfeld, Weiz usw.
1936 - 1938: Alois Pechmann ist Bürgermeister von Unterhaus.
Bereits Anfang der 1930er Jahre konstituierte sich aus den örtlichen Honoratioren ein "Brunnen-Komitee", das sich den Ersatz des alten "Läutbrunnens" am Hauptplatz vor dem Rathaus durch eine wasserspeiende Skulptur zur Aufgabe machte. Der Bildhauer Professor Wilhelm Gösser (1881 - 1966) schuf den mit 1937 datierten Wilden-Mann-Brunnen, der seit 1990 auf dem Platz Unterer Markt steht. (Obersteiner, Hengist Magazin 2/2006)
1936 bis 1943 stand Michael Götz an der Spitze der Hereschwerke. Er folgte dem Geschäftsführer Josef Heresch (1878 - 1936) der seit 1919 die Führung des Unternehmens übernahm. Unter anderem absolverte dieser eine Müllerakademie im Westen Deutschlands. (Wiesflecker, Hengist Magazin 2/2006)
13. März 1938: Einmarsch deutscher Truppen in Österreich.
Firma Lübold in Wildon beliefert als Rüstungsbetrieb die Luftwaffe (Quelle: Stefan Karner, Die Steiermark im 20. Jahrhundert, S 267, Leykam, Graz, 2005).
1. September 1939: Die Eintragungen von Geburten, Eheschließungen und Todesfällen erfolgt nunmehr nicht mehr im Pfarramt sondern am Standesamt im Gemeindeamt.
1938 - 1945: Zweiter Weltkrieg.
1940 bis 1955 leiten der Bahnbeamte Heubl und RR Eduard Andres aus Lebring den Bienenzuchtverein Wildon. (Hengst Magazin 3/2005)
Am 28. November 1941 stirbt Franz Heresch, 90 Jahre alt, im Taborhof. (Wiesflecker, Hengist Magazin 2/2006).
1943 bis 1952 leitet DI Alois Frizberg (1887 - 1981) die Hereschwerke. Bis 1938 übte er das Amt des Landesbaudirektors aus und konnte als Pensionist die Führung der Hereschwerke übernehmen. (Wiesflecker, Hengist Magazin 2/2006)
Der Reichsarbeitsdienst (RAD) errichtet unter anderem ein Lager in Wildon. Burschen und Mädchen ab dem 18. Lebensjahr hatten ihr Pflichtdienstjahr zu absolvieren. Neben Arbeitsleistung für konkrete Vorhaben wurden vor allem infrastrukturelle Verbesserungen des jeweiligen Gebietes erbracht. Zwei Gebäude existieren noch heute in der Alten Reichsstraße (Aufseherhaus) und Leibnitzerstraße (RAD Baracke). Das ehemalige Kino Wildon, Unterer Markt, wurde ebenfalls vom RAD genutzt.
Auch Wildon ist von Luftangriffen betroffen (Rüstungsbetrieb, Bahnhof, Kainach und Mur-Brücke). Tiefflieger machen Jagd auf Menschen auf den Feldern und Straßen. (Quelle: Augenzeugenberichte)
24. Juli 1945: Einen Tag vor Abzug der Sowjets teilt der Gendarmerieposten Wildon mit, "dass der russische Gardekapitän Bulgakow zwei Frauen, und zwar Käthe Strassner, 1925, und Theresia Keckes, 1917, beide Wildon wohnhaft, bei seiner Abreise mitverschleppt" habe. "Seither fehlt jede Spur von den beiden Frauen" (Quelle: Stefan Karner, Die Steiermark im 20. Jahrhundert, S 319, Leykam, Graz, 2005)
1945: Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde Wildon zuerst von den sowjetischen, dann ab 25. Juli 1945 von den britischen Truppen besetzt. Der Kommandant der britischen Truppen bezog sein Quartier in der "Villa Herberstein" (auch "Fürstenhof" nach dem Wildoner Lebzelter Anton Fürst) in der Alten Reichsstraße.
1945 bis 1954 war Karl Kramberger (1889 - 1970) Direktor der Knabenvolksschule Wildon, Oberer Markt 100. Sohn Robert Kramberger war nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft Lehrer von 1948 bis 1954 in Wildon. Die Mädchenvolksschule Oberer Markt 102 wurde von den Schulschwestern betrieben. (Hengist Magazin 1/2008)
1947: Von 1947 bis 1949 wurde die Wildoner Wasserleitung erweitert und die Ur- und Sieberquellen in der Nähe des Anwesens Knippitsch, Im Rasental 28, erschlossen und befinden sich auf Grundstück Nr. 332/1, KG Unterhaus, des Grafen Saldern-Ahlimp. Der Kaiserbehälter im Quellenweg umfasst 75 m³. Die Wasserleitungen werden erneuert.
1949: Der Sportverein (Fußballverein) wird offiziell als Verein eingetragen.
1949 wurde Musikverein Marktkapelle Wildon gegründet. Gründungsobmann Alois Pechmann, Gründungskapellmeister August Zöbl.
1949: Gründung der Alpenverein Ortsgruppe Wildon.
1949: Die Glocken in der Pfarrkirche mussten im Zweiten Weltkrieg abgegeben werden und werden nun neu angebracht.
1949: Dr. Josef Pittermann wird zum Bürgermeister von Unterhaus gewählt und hat dieses Amt bis 1951 inne. (Obersteiner, Hengist Magazin 3/2006)
1950: Die Gemeinde Unterhaus unter Bürgermeister Dr. Josef Pittermann errichtet ein 40.000 Liter Löschwasserbecken unter dem Anwesen vgl. Leximi der damaligen Besitzerin Josefine Sieber. Gemeinderäte von Unterhaus waren Gottfried Satzke, Alois Jöbstl-Arbeiter vulgo Bockmoar, Josef Jöbstl vulgo Haberl und Alois Pechmann.
1951: Die Gemeinden Wildon und Unterhaus werden zusammengelegt. Bürgermeister wird Alois Pechmann, Vizebürgermeister Dr. Josef Pittermann (bis 1965). (Obersteiner, Hengist Magazin 3/2006)
Dr. Josef Pittermann wurde 1953 zum Vorstandsmitglied der Bundestierärztekammer gewählt. Für den Steirischen Bauernbund vertrat er als Landtagsabgeordneter der ÖVP von 1953 bis 1966 landwirtschaftliche Interessen. Seit 1958 bekleidete Dr. Pittermann die Funktion des Präsidenten des Stmk. Traberzucht- und Rennvereines, der die Trabrennanlage in Wildon betrieb. Im Männergesangsverein wirkte er als langjähriger Obmann. 1966 wurde er zum Landesveterinärdirektor bestellt und zum Hofrat ernannt, eine Funktion, die er bis zur Pensionierung 1972 inne hatte. 1972 erhielt er auch das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Am 7. Juli 1979 verstarb Dr. Josef Pittermann in Graz. (Obersteiner, Hengist Magazin 3/2006)
1952: Wildoner Schlossberg und Burgruinen gehen in das Eigentum der Familie Frizberg über. (Hengist Magazin 2/2008) Dr. Helmut Frizberg übernahm die Führung der Hereschwerke Wildon. (Wiesflecker, Hengist Magazin 2/2006).
Die Knabenvolksschule Wildon, Oberer Markt 102, wird 1952 renoviert.
1955: Die Gemeinden Unterhaus und Wildon werden zusammengelegt. Der seit 1949 in Unterhaus amtierende Bürgermeister Alois Pechmann wird neuer Bürgermeister von Wildon.
Am 1. Juni 1955 wird der Marktgemeinde Wildon die Konzessionsurkunde zur Abhaltung von Monatsviehmärkten für Rinder, Schafe und Ziegen, jeweils am 12. des Monats verliehen. Der Viehmarktplatz befand sich im Bereich des Bahnhofes auf Grundstück Nr. 90/1, KG Wildon. Die Marktgemeinde Wildon erläßt eine eigene Marktordnung für die Viehmärkte aufgrund des Tierseuchengesetzes mit 25. Juli 1957.
1955 bis 1969 ist Willi Schratz Obmann des Bienenzuchtvereines. (Hengst Magazin 3/2005)
1957: Die Wildoner Murbrücke wird neu gebaut.
1958: Die Firma AKG übernimmt das Firmengelände im heutigen Oberen Markt 111.
1958 schließt die Lebzelterei von Anton Perleß. Die Handwerksgeräte gelangen in das Steirische Volkskundemuseum in Graz. Damit gingen 300 Jahre Lebzelter-Geschichte in Wildon zu Ende. (Hengst Magazin 3/2005)
Im Mai 1958 kaufen Adalbest und Maximiliane Orgovani-Hanstein das Gut Schwarzenegg von Leopold Graf von Saldern-Ahlimb. Am 27. Mai 1959 wurde ein Ansuchen bei der Diözese Graz-Seckau gestellt, im Zuge von Umbauarbeiten, die Schlosskapelle abzutragen. Der Altar gelante so nach Zehndorf bei Wettmannstätten und die Gnadenstatue wird unter dem Namen "Maria Schutz" verehrt. (Hengist Magazin 2/2007)
In den Jahren 1960 bis 1968 waren Dr. Rudolf und Mag. Anneliese Eisenzopf Pächter der Apotheke Wildon. (Obersteiner, Hengist Magazin 3/2006).
Am 24. Mai 1961 genehmigt das Amt der Stmk. Landesregierung die Krämermarktordnung der Marktgemeinde Wildon. Die Marktgemeinde Wildon war aufgrund der Konzessionsurkunde vom Amt der Stmk. Landesregierung vom 30. Mai 1956 berechtigt folgende Krämermärkte abzuhalten: 24. Februar (Matthias - in Schaltjahren am 25. Februar), am Osterdienstag, am 2. Juli (Maria Heimsuchung), am 22. Juli (Magdalena), am 29. September (Michael), und am 25. November (Katharina). Die Krämermärkte wurden am Hauptplatz abgehalten. Die Marktzeit war von 7 Uhr bis 18.30 Uhr, wobei die Ware ab 6 Uhr ausgepackt wurde und spätestens um 20 Uhr alles abgeräumt sein mußte.
1961: Mit Bescheid vom 30.06.1961 der Abteilung 3 des Amts der Stmk. Landesregierung wird die Erweiterung der Ortswasserleitung bewilligt. Angeschlossen werden die Siedlungsgebiete links der Mur (Im Langfeld) und entlang der Grazer Straße. Der Brunnen 1 in KG Sukdull wird errichtet und der Schlossbergbehälter mit 320 m³ wird neu gebaut. Weiters wird ein Brunnenschutzgebiet für den Brunnen 1 festgelegt, der allerdings durch einen ehemaligen Teerverwertungsbetrieb Fa. Lederer & Mellitzer gefährdet wurde.
1962: Neubau der Wildoner Hauptschule in der heutigen Alten Reichsstraße 6.
1963: Motorrad (Speedway)-Rennen auf der Wildoner Trabrennbahn unter Speedway-Staatsmeister "Bubi" Josef Bössner.
1965 bis 1969 wurde das alte Rathaus, Bezirksgericht, unter Bezirksrichter Dr. Armand Schrimpf generalsaniert. Vom historichen Baubestand blieb nur die Fassade. Auch der barocke Pranger trat wieder zum Vorschein. (Hengist Magazin 1/2007)
1966 - 1973: Neubau des Sporthauses. Eröffnung 1973 unter Obmann Alfred Haberl und Bürgermeister Franz Hirschmann.
Am 1. Jänner 1967 tritt Kaplan Josef Wendling den Dienst in der Pfarre Wildon unter dem Pfarrer Johann Schreiner an. (Pfarrblatt Miteinander Nr. 92, Juli 2010).
1968 bis 1982: Bürgermeister Franz Hirschmann.
Von 1969 bis 1993 ist der Gendarm und spätere Postenkommandant von Wildon Karl Wolf Obmann des Bienenzuchtvereines. (Hengst Magazin 3/2005)
1970: Bau der Adria-Wien-Pipeline auch in Wildon.
1974: Mit einem Sitzstreik auf der LB 67 fordern die Wildoner den Bau einer Umfahrungsstraße, 1979 wird die A9 Phyrnautobahn eröffnet. (Hengist Magazin 1/2005)
1975 und 1978: Der Gemeinderat beschließt die Einführung von Straßennamen für die Ortschaften Unterhaus und Wildon. Die Hausnummern werden neu vergeben. (Gemeideratsprotokolle)
1975: Mit der Gründung des Abwasserverbandes Grazerfeld bekommt Wildon eine ordnungsgemäße Abwasserentsorgung.
1976: Maximiliane Berg (Schwarzenegg) wird Staatsmeisterin im Dressurreiten. (Hengist Magazin 1/2010)
Am 12. März 1977 wird Josef Wendling zum Provisor und am 1. Juli 1977 zum Pfarrer von St. Magdalena in Wildon bestellt. (Pfarrblatt Miteinander Nr. 92, Juli 2010)
1977: Das neue Gemeindeamt, Hauptplatz 61, geplant von Univ.-Prof. Dr. Heiner Hierzegger, wird unter Bürgermeister Franz Hirschmann bezogen. Zuvor war das Gemeindeamt im Rathaus, später Bezirksgericht, und im ehemaligen Eggenberger Mauthaus, heute Unterer Markt 25, untergebracht.
1977 - 1978: Neubau Musikheim unter Kapellmeister und Bauobmann Hannes Hammer und Obmann Hans Weghofer, Alte Reichsstraße 7.
1978: Aufgrund des Autobahnbaues wird eine Wasserleitung in die Ortschaft Lichendorf, Weitendorf, gebaut und von Wildon mitversorgt. Die Kosten trägt der Autobahnerrichter. Dies wird von der Rechtsabteilung 3, Amt d. Stmk. Landesregierung, mit Bescheid vom 27.06.1978 bewilligt.
Am 3. Dezember 1979 wird die Verordnung, in der Teile der Marktgemeinde Wildon zum Schutzgebiet nach dem Ortsbildschutzgesetz 1977 erklärt werden, im Landesgesetzblatt Nr. 93/1979 kund gemacht. Die Ortsbild-Schutzzone umfasst den Markt, Schloßberg, Badesee bis zur Mur (siehe Bürgerservice - Bauen - Rechtsgrundlagen).
1980: Bezug des neuen Rotkreuz-Ortsstellengebäudes in der Alten Reichsstraße. (Quelle: Festschrift 100 Jahre Rettungsdienst Rotes Kreuz Leibnitz, S 37).
30.06.1982: Bürgermeister Mag. Josef Hirschmann tritt die Nachfolge seines Vaters Franz Hirschmann an. Wieder gewählt 1985 und 1990.
1982 wird der Bogenclub Wildon-Weitendorf mit Gründungsobmann Friedrich Puregger gegründet. (Hengist Magazin 1/2007)
1983: Mit Bescheid vom 22.03.1983, Amt d. Stmk. Landesregierung, RA 3, wird die Errichtung des Grundwasserbrunnens 3 auf Grundstück Nr. .176, die Erhöhung der maximalen Grundwasserentnahmemenge bewilligt. Weiters wird das Brunnenschutzgebiet erweitert.
1983: Um- und Zubau der Hauptschule Wildon. Lehrerzimmer, Werkräume, Garderobe, Labors und Turnsaal werden zugebaut.
Am 12. Juni 1983 erfolgte die Trachtenweihe und seit damals tragen die Musikerinnen und Musiker die Wildoner Stiefelhosentracht.
1985: Im Jahr 1985 wurde im Umfeld des Standortes ein urnenfelder und hallstattzeitliches Gräberfeld (Datierung: 8. Jahrhundert v. Chr.) entdeckt. In der Urnenfelderzeit (Spätbronzezeit) verbrannte man die Toten und bestattete sie in großen Friedhöfen. Im Zuge von Notgrabungen 1985 und 1987 im Zuge eines Zubaues für die Hauptschule Wildon wurden auf einer Fläche von 80 m² 36 Bestattungen geborgen. Die ergrabene Fläche deckt jedoch vielleicht nur ein Zehntel des gesamten Gräberfeldes ab. Neben den Urnen mit den Überresten der Toten (Leichenbrand) fanden sich an Beigaben eine große Anzahl von Keramikgefäßen sowie Armreifen, Fibeln, Fingerringe aus Bronze bzw. Eisen und Glasperlen. Das Gräberfeld steht in Zusammenhang mit der großen urnenfelderzeitlichen Siedlung am Schlossberg. Die Funde werden im Landesmuseum Joanneum verwahrt. (Hengist Magazin 1/2005)
Ab 1986 entsteht die Golfplatzanlage Gut Murstätten in Lebring. (Hengist Magazin 1/2005)
Flächenwidmungsplan Revision 2.10, GR 004-1-4350/86, Dr. Hierzegger, vom 30.10.1986, Genehmigung des Amtes der Stmk. Landesregierung mit GZ 03-10 W 12-87/32, vom 21.01.1987.
1987 wird unter dem Parkplatz bei der Hauptschule Wildon ein urnenfelderzeitliches Gräberfeld entdeckt. (Hengist Magazin 1/2004).
1988 werden oberhalb des Musikheimes zwei römische Gräber entdeckt, eines davon mit Steinsarkophag. (Hengist Magazin 1/2004).
1989: Das Notariat Dr. Michael Griesbacher eröffnet in Wildon.
1990: Das "Alte Rathaus" (Bezirksgericht) wird renoviert.
1992: Neugestaltung des Hauptplatzes. Der Wilde-Mann-Brunnen wird in den Unteren Markt versetzt, wo vordem eine Brückenwaage und das Kriegerdenkmal stand.
17.12.1992: Letzte Gemeinderatssitzung unter der Leitung von Mag. Josef Hirschmann.
Seit 1993 ist Mag. Gustav Oberdorfer, AHS-Professor für Biologie, Obmann des Bienenzuchtvereines. (Hengst Magazin 3/2005)
05.07.1993: Erste Beiratsitzung am 5. Juli 1993, Hofrat Dr. Kleinsasser, überreicht die Ernennungsdekrete an OAR Gustav Hafner als Regierungskommissär und an die Beiräte Ing. Ferdinand Hammer, Anton Werner und Harald Lax.
1993: Vier neue Glocken werden im Kirchturm angebracht, gespendet von privater Hand.
Von 1993 bis 2003 wurde die Wasserversorgung der Marktgemeinde Wildon mit rund 1,63 Millionen Euro auf den Stand der Technik gebracht.
1994: Die Gemeindefinanzen werden durch den Verkauf der Wildoner Sparkassenanteile in Ordnung gebracht. Der Rest von der Verkaufssumme von 70 Millionen Schilling (rund 5 Millionen Euro) wandert in den Förderungsbeirat. Dieser schüttet seither Förderungen für Vereine, die Wildoner Wirtschaft und die Gemeinde aus.
1994: Eröffnung des neuen Sporthauses: Der 26.10.1994 ist ein großer Tag für den SV Wildon. Das vom ehemaligen Obmann Dipl. Ing. Walter Liebmann geplante neue Sporthaus wird von den Gemeindeverantwortlichen, an der Spitze Bgm. Dr. Ernst Lukas, dem Verein zur Nutzung übergeben. Einen wesentlichen Anteil am Gelingen des Baues tragen auch die vielen Eigenleistungen der Vereinsmitglieder bei. Die Organisation von Vereinsseite tragen vor allem Gerhard Kurzmann, Walter Pack, Gottlieb Höfler und Wolfgang Spurej. Als Gratulant gastiert der SK Sturm Graz in Wildon. Nach ambitioniertem Spiel verliert unsere Mannschaft mit 1:6.
1995: Der Pfarrkindergarten wird öffentlicher Kindergarten der Marktgemeinde Wildon und bezieht den Neubau in der Alten Reichsstraße 3a.
15. April 1994: Bürgermeister Dr. Ernst Lukas übernimmt das Amt.
Flächenwidmungsplan Revision 3.10, GR 004-2/1995, Dr. Hierzegger, vom 23.05.1995, Genehmigung des Amtes der Stmk. Landesregierung mit GZ 03-10.10 W 25-95/14, vom 19.10.1995,
Am 25. Mai 1997 wurde der neue Marktbrunnen am Hauptplatz eingeweiht. Der künstlerische Entwurf stammt von Dr. Heinrich Purkarthofer (1934 - 2005), Archivar, Landesheraldiker und Schöpfer von 200 steirischen Gemeindewappen. Das Erscheinungsbild des Wildoner Marktbrunnens ist dem Siegel des steirischen Landesmarschalls Herrand von Wildon aus dem Jahr 1195 nachempfunden. Es zeigt ein mit dem Fabelwesen Panther (All-Tier) belegtes Lilienszepter, begleitet von drei Seeblättern. Die Seeblätter meinten die Farbe Grün. Der Panther als Fabelwesen ist ein Symbol des Auferstandenen Christus. Die Lilie ist Zeichen der Reinheit. Die Ausführung des Brunnes übernahm die Innsbrucker Glockengießerei Grassmayr. (Obersteiner, Hengist Magazin 2/2006)
1999: März - Die Rotkreuz Ortsstelle Wildon veranstaltet den ersten Osterbasar.
1997 bis 2000: Das Schloss Wildon, Hauptplatz 55, wird renoviert und umgebaut und um einen Festsaal erweitert. Seit 2000 sind das Gemeindeamt, die Bibliothek, Veranstaltungsräume und Festsaal sowie Wohnungen im ehemaligen "Landessiechenhaus" (heute würde man Alten- und Kranken- und Sozialheim sagen) untergebracht.
Im April 2001 wurde Margareta Kickmaier zur ersten Obfrau der Marktkapelle Wildon gewählt.
2004: Das Musikheim wir um- und zugebaut.
Chronik ab 2000
2001: Nach 4-jähriger Renovierung, umfassender Sanierung, Neubau des Festsaales wird das Schloss Wildon seiner neuen Bestimmung als Bücherei, Museum, Kulturzentrum und Gemeindeamt unter Bürgermeister Dr. Ernst Lukas übergeben. Für die Bauarbeiten zeichnet Firma Baumeister Ing. Leitner aus Graz mit Baumeister Pendl verantwortlich.
Juni 2002: Bürgermeisterin Ingrid Weber und Vizebürgermeister Anton WERNER werden vom Gemeinderat gewählt.
Mit Wirkung vom 1. Juli 2002 wurde das Bezirksgericht Wildon aufgehoben und das Gebäude an Zahnarzt Dr. Peter Zwittnig verkauft. (Hengist Magazin 1/2007)
Im Jahr 2003 werden drei Flächen am Abhang des Wildoner Schlossberges prospektiert. Auf der "Meierwiese" konnte anhand von Pfostenlöchern, Gruben und Herdstellen eine mehrphasige, prähistorische Schiedlung nachgewiesen werden. Möglicherweise wurde ein großes Wirtschaftsgebäude aus dem Mittelalter um 750 n. Chr. ergraben (Hausgrundrisse). (Hengist Magazin 1/2004).
Ende August 2003 wird die "Leitinger-Urne" in Unterhaus bei Kanalgrabungsarbeiten geborgen. Der Fund stammt aus der Hallstattzeit, ca. 650 bis 600 v. Chr. (Gutjahr, Hengist Magazin 3/2006)
Vom 17. April bis 2. Juni 2003 finden archäologische Grabungen im Zuge des Neubaues der Volksschule Wildon statt. Dabei konnten Funde aus der älteren Eisenzeit (800 bis ca. 450 v. Chr.) und ein spätmittelalterlicher oder neuzeitlicher Wirtschaftsbau nachgewiesen werden. (Hengist Magazin 1/2004).
Gefunden wurde neben Spinnwirtel, Feuerbockfragmente, Webstuhlgewichte, Keramikscherben, ein Fingerring aus Bronze, ein Knochenwerkzeug (Spatel) auch ein Skelett eines dreijährigen Kindes, nunmehr im Museum Schloss Wildon zu besichtigen. (Hengist Magazin 1/2004).
Im September 2003 wird die neue Volksschule Wildon, Alte Reichsstraße 3b, eröffnet.
Am 7. Jänner 2004 eröffnet die Ordination Dr. Horst Grubelnik, praktischer Arzt, Grazerstraße 3, Rosenhof Weber.
Am 16. Jänner 2004 spielt die Marktkapelle Wildon zusammen mit der Marktkapelle Arnfels beim 108. Steirerball in Wien, Austria Center.
Mit Einlangen des "Nichtuntersagungsbescheides" der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz im August 2004 wurde der Verein Kulturpark Hengist von den Gemeinden Hengsberg, Lebring-St. Margarethen, Weitendorf und Wildon gegründet. Das Kuratorium mit den Bürgermeistern Ingrid Weber, Wildon, Robert Baumann, Hengsberg, Josef Kaiser, Weitendorf und Johan Weinzerl, Lebring-St. Margarethen, nahm die Arbeit auf. Finanzreferent Franz Bachernegg und Schriftführer Pfarrer Dr. Peter Brauchart unterstützen Sekretär Oberarchivrat im Stmk. Landesarchiv Dr. Gernot Peter Obersteiner. Im Frühjahr 2010 trat auch die Gemeinde Lang bei. (Hengist Magazin 2/2008)
2005 bis 2007 erforscht der Kulturpark Hengist ein bronze- bis früheisenzeitliches (urnenfelerzeitliches) Gräberfeld in Kainach bei Wildon, Gemeinde Weitendof. Auf einer Fläche von 15.000 m² wurden 430 Objekte dokumentiert, davon rund 230 Brandgräber. Die Masse der Gräbe stammt aus der Hallstattzeit, Zeitraum von ca. 1100 bis 700 vor Christus. Das Grab Numer 214 (Objekt 418) dürfte aus der Hallstattzeit um 1250 vor Christus stammen und zählt mit einem Grabfund am Grazer Karmeliterplatz zu den ältesten bislang in der Steiermark aufgefundenen Gräbern. (Hengist Magazin 1/2005).
Der Flächenwidmungsplan 4.0 GZ 004-1/2005, mit Beschlüssen vom 13.07.2004, 11.10.2004, 16.11.2004 und 14.06.2005, tritt nach Genehmigung durch das Amt der Stmk. Landesregierung vom 07.07.2005, GZ FA 13B-10.10 W 25-05/05, wird am 25.07.2005 nach öffentlicher Kundmachung rechtskräftig.
Am 23. Oktober 2005 wird im Rahme des Hengist-Festes das archäologisch-historische Museum im Schloss Wildon eröffnet. (Hengist Magazin 3/2005) .
Ende 2006 schenkt die Witwe des ehemaligen Wildoner Apothekers Dr. Rudolf Eisenzoph das Schwarzenegger Mirakelbuch, das er in den 1960er Jahren bei einem Flohmarkt der Freiwilligen Feuerwehr Wildon gegen eine Spende erworben hat. (Hengist Magazin 2/2007)
10. bis 25. Oktober 2007: Ausstellung über Hofrat Dr. Josef Pittermann (1906 - 1979), Landesveterinär, Landtagsabgeordneter, Bürgermeister von Unterhaus, wohnhaft im "Strasserschlössl", heute Im Rasental 1, Vorstand des Stmk. Traberzucht- und Rennvereines 1956, der die Trabrennbahn in Wildon errichtete. (Hengist Magazin 2/2007)
2007 und 2008 Grabungen am Faltikögerl, Hengsberg. 13 mittelalterliche Silbermünzen, alle Grazer Pfennige, die zwischen 1290 und 1325 geprägt wuden, werden gefunden. Vermutlich ein leicht befestigter Lagerplatz während der Auseinandersetzungen zwischen dem Habsburger König Albrecht I. (1282 - 1298) und den aufständischen steirischen Adeligen.
2008: Der Sportverein Wildon spielt die erste Saison in der Landesliga.
Mai 2008: Bürgermeister Ing. Gerhard Sommer wird gewählt.
Ein Projekt zur Eröffnung eines Steinbruches am Wildoner Buchkogel scheitert. Rund 3000 Unterschriften werden bis Juni 2009 gegen das Projekt gesammelt.
Im September 2009 wird die Erweiterung der Abwasserreinigungsanlage beim Abwasserverband Grazerfeld in Wildon auf 120.000 EGW der Bestimmung übergeben.
Neubau Rüsthaus und Neubau Sportzentrum sind ab Februar 2010 im Bau.
Am 19. März 2010 wird das betreute Wohnen im Alten Rathaus eröffnet.
Bei der Gemeinderatswahl am 21. März 2010 erreicht die ÖVP 11 Gemeinderatssitze, Projekt Wildon 2 Mandate und SPÖ 2 Mandate, bei einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung von 62 %.
In der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates vom Dienstag, 20. April 2010, werden Bürgermeister Ing. Gerhard Sommer, Vizebürgermeister Anton WERNER und Gemeindekassier Ing. Gert Egger, alle ÖVP, gewählt. Es werden 3 Fachausschüsse beschlossen (Finanzen, Bau, Kultur).
Bei der Generalversammlung des Musikvereines Marktkapelle Wildon am 30. April 2010 wird Ing. Gerald Jahrbacher zum neuen Obmann gewählt. Friedrich Kriebernegg, Kapellmeister von 1985 bis 2010, und Grete Kickmaier, von 1985 bis 2001 Schriftführerin und von 2001 bis 2010 Obfrau, erhalten hohe Auszeichnungen vom Blasmusikverband. Friedrich Kriebernegg wird das Ehrenzeichen in Gold der Marktgemeinde Wildon verliehen.
Beim Kameradschaftsbund Wildon wird im April 2010 Obmann Wilhelm Peier, Obmann-Stv. ÖR Rudolf Gogg, Schriftführer Johann Eder wieder gewählt.
Am 2. Juli 2010 feiert die Musikschule Wildon unter dem Titel "Finis Festivus" ein Abschlusskonzert.
Am 3. Juli 2010 feiert Pfarrer Geistlicher Rat Josef Wendling 50-jähriges Priesterjubiläum. (Miteinander Nr. 92, Juli 2010).
Mit 1. September 2010 übernimmt Pfarrer Dr. Peter Brauchart die Pfarre Wildon im Pfarrverband Lang, Lebring, Hengsberg und Wildon. (Miteinander Nr. 92, Juli 2010).
Gemeinderat 2000 - 2005
Die konstituierende Sitzung des Gemeinderates fand am Montag, 17. April 2000, im Schloss Wildon statt. In den Gemeinderat wurden gewählt:
Dr. Ernst Lukas, ÖVP, Bürgermeister (bis Juni 2002)
Ing. Karl Stumpfl, ÖVP, Vizebürgermeister (bis Juni 2002)
Dir. Franz Pirker, SPÖ, Gemeindekassier (bis April 2010)
Ingrid Weber, ÖVP, ab Juni 2002 Bürgermeisterin
Mag. Josef Hirschmann, FPÖ
DI Reinhard Rungaldier, ÖVP (HBI Freiw. Feuerwehr Wildon)
Ing. Gert Egger, ÖVP
DI Gabriele Faller, SPÖ
Anton Rolla, SPÖ
Anton WERNER, ÖVP (Vizebürgermeister ab Juni 2002)
Ingeborg Zalokar, ÖVP
Manuela Kern
Rita Bräuner (Gindlhuber), SPÖ
Ing. Gerhard Sommer, ÖVP
Ing. Ferdinand Hammer, ÖVP
In der konstituierenden Sitzung wurden folgende Fachausschüsse beschlossen:
Fachausschuss 1 - Bau - Umwelt (Raumplanung, Bauten, Straßen, Wasser, Kanal, Müll)
Fachausschuss 2 - Wohnungen - Soziales (Gemeindewohnungsvergabe, Soziales, Senioren)
Fachausschuss 3 - Finanzen, Recht, Personal (Mieten, Pacht, Gewerbe, Vermögen, Personal)
Fachausschuss 4 - Kultur, Schulen, Kindergarten (Schulen, Vereine, Kindergarten, Jugend, Tourismus, Denkmäler)
Folgende Verwaltungsausschüsse mit je 2 Sitzen wurden gebildet:
Abwasserverband
Abfallwirtschaftsverband
Sozialhilfeverband und ISGS (Integrierter Sozial- und Gesundheitssprengel)
Staatsbürgerschafts- und Standesamtsverband
Wirtschaftsförderungsbeirat
21.03.2010: Gemeinderatswahl
Liste | Partei | Prozente 2010 | Prozente 2005 | Differenz | Stimmen 2010 | Stimmen 2005 | Differenz | Mandate 2010 | Mandate 2005 |
1 | SPÖ | 14.93% | 26.57% | -11.64% | 190 | 330 | -140 | 2 | 4 |
2 | ÖVP | 59.47% | 49.28% | 10.19% | 757 | 612 | 145 | 11 | 8 |
3 | leer |
|
|
|
|
|
|
|
|
4 | GRÜNE | 3.85% | 6.84% | -2.99% | 49 | 85 | -36 | 0 | 1 |
5 | FPÖ | 3.46% |
|
| 44 |
|
| 0 | 0 |
6 | BZÖ | 2.67% |
|
| 34 |
|
| 0 | 0 |
7 | ProW | 15.63% |
|
| 199 |
| 215 | 2 | 2 |
Wahlberechtigte: | 2.052 |
Abgegebene Stimmen: | 1.301 |
Ungültige Stimmen: | 28 |
Gültige Stimmen: | 1.273 |
Wahlbeteiligung: | 63% |
|
|
vorgezogene Stimmabgabe: | 56 |
Ausgestellte Wahlkarten: | 122 |
Retournierte Wahlkarten: | 101 |
gültige Wahlkarten: | 100 |
Geschichte der Wildoner Vereine
Geschichte ÖKB Ortsverband Wildon seit 1851
Das Jahr 1873 wurde durch die am 25. Jänner beschlossenen Bereitschaften voll ausgefüllt, wobei Übungen an Geräten, Turnübungen, Signalübungen, Arbeiten an den Gerätschaften und im Lokal, Marschübungen, Steigübungen am Hausdach und Steigerturm, stattfanden" So schilderte der damalige Feuerwehr-Chronist die "Geburtsstunde" der FF Wildon.
Weitere geschichtliche Fixpunkte:
09.02.1873
Erste Zusammenkunft der neuen "Wehrgemeinschaft" (70 Mann) zum Zwecke der Arbeitsbereichsverteilungen.
16.10.1873
Erste Paradeausrückung und Schauübung in Anwesenheit des damaligen Landeshauptmannes und anderer Ehrengäste in Wildon.
1882
Auf Grund der schwierigen Wasserbeschaffbarkeit im Ort Wildon wurde ein Hydrophor in den Dienst gestellt, um Löschwasser aus der Kainach "fördern" zu können.
1902
Erste Brandbekämpfungen mit "Hydrantenwasser" aus dem örtlichen Wasserleitungsnetz.
1923
Gründung des Freiwilligen Autolöschzuges nach Anschaffung einer Autospritze. Damit wurde die oft langsame und schwierige Pferdebeschaffung ausgeschaltet.
1936
Nach Ankauf eines Rettungsautos zogen die Mitglieder der neu geeinten FF Wildon in einen hofseitigen Gebäudetrakt der Bezirkssparkasse Wildon.
1944
Während des Zweiten Weltkrieges gestalteten sich die Arbeiten der Wildoner Wehr als besonders schwierig und umfassend zugleich. Zum damaligen Zeitpunkt gab es drei Löschgruppen (1. Mercedes, 2. Fiat, 3. Autospritze). Einsätze im Zusammenhang mit Fliegerangriffen wurden bis in den Grazer Raum getätigt.
1945 Bei Kriegsende quartierte sich die russische Besatzung sofort im Mannschaftszimmer des Wildoner Rüsthauses ein und es wurde schließlich sogar der von Mureck verlagerte Feuerlöschwagen F15 von den Russen entführt. Somit war die Schlagkraft der Feuerwehr einige Zeit entsprechend lahmgelegt.
1951 Anschaffung einer FW-Fahne.
1968
Nach 5-jähriger Bauzeit wurde das neue, auch heute noch immer genutzte Rüsthaus seiner Bestimmung übergeben.
1995
Segnung und feierliche Wiederübergabe des sowohl im äußeren Fassadenbereich als auch im Inneren neu gestalten Rüsthauses.
1997 Ankauf eines neuen Mannschaftstransportfahrzeuges.
1873 - 2003
In diesem Zeitraum waren insgesamt zwanzig Kommandanten mit der Führung der Feuerwehr Wildon befasst.
2003
Ankauf eines Transportanhängers; Herr Ing. Peter Mangold schenkt der FF Wildon ein Kunststoffschalenboot mit Außenbordmotor.
September 2003
Die FF Wildon unter der Führung von HBI DI Rungaldier stehen vier sehr gut ausgestattete Einsatzfahrzeuge (1 TLF-A 4000, 1 KLF-A, 1 KRF-S, 1 MTF), eine Anhängerausschubleiter (15 m), zwei Kunststoffschalenboote mit Außenbordmotoren und ein Transportanhänger zur Verfügung. Ohne diese hochtechnische Ausrüstung wäre es einer "modernen" Wehr nicht mehr möglich, den immer schwieriger und umfangreicher werdenden Aufgaben entsprechen zu können.
DAS FEUERWEHRJUBILÄUMSFEST am 1. Juni 2003
130 JAHRE WILDONER FEUERWEHRGESCHICHTE - EIN DENKWÜRDIGES JUBILÄUM
Aus Anlass des 130-jährigen Bestandsjubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Wildon fand am Samstag, den 01. Juni 2003 im Kulturzentrum Schloß Wildon eine große Festveranstaltung statt.
Um 10:15 Uhr trafen sich 170 Kameraden der Feuerwehr Wildon und Abordnungen von siebzehn Gastwehren auf dem Vorplatz des Gasthofes Strohmeier. Die Gastwehren kamen aus Allerheiligen, Arnfels, Feiting, Großfelgitsch, Großklein, Hengsberg, Lang, Lebring, Neudorf ob Wildon, Obergralla, Raaba, Schönberg, St. Georgen a. d. Stfg., St. Nikolai i.S., Untergralla, Weitendorf und Werndorf.
Mit klingendem Spiel des Musikvereines "Marktkapelle Wildon" marschierte die Ehrenformation unter dem Kommando von BM Vzlt. Helmut Lotz hinter der Fahnengruppe durch den Markt in den Schlosshof Wildon und nahm dort Aufstellung. Den krönenden Abschluss des Festzuges bildete Herr Heribert Hegedys mit seinem Oldtimer der Marke Ford Baujahr 1924, mit dem er die beiden Löschbereichsbürgermeister Frau Ingrid Weber und Herrn Franz Kicker sowie Frau Dir. Julia Raggam zum "Festplatz" chauffierte.
Zu Beginn des Festaktes im Schlosshof konnte Herr HBI Rungaldier nach einem herzlichen "Grüß Gott" an die Adresse des Herrn FKUR GR Pfarrer Josef Wendling, in Vertretung von Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnik Herrn Landtagsabgeordneten Bgm. Peter Tschernko, die schon erwähnten Löschbereichsbürgermeister, deren Vorgänger Dr. Ernst Lukas und Josef Hammer sowie den Gemeindekassier Dir. Franz Pirker und die anwesenden Gemeinderäte von Wildon und Stocking begrüßen.
Ein kameradschaftliches Willkommen wurde den anwesenden Abschnittsbrandinspektoren Franz Fauland, Johann Kickmeier, Alfred Muhri, Ing. Bruno Neubauer, Robert Petritsch, BGM Alois Riegelnegg und Günther Schitter sowie der Ehrenformation und den Vertretern der Vereine und Institutionen sowie der anwesenden Bevölkerung entboten.
In seiner Festansprache gab dann der Kommandant der FF Wildon einen kurzen Rückblick auf die abgelaufenen 130 Feuerwehrjahre in Wildon samt einer Darstellung der umfassenden Tätigkeiten der jubilierenden Wehrgemeinschaft im Jahre 2002. Nach "lobenden" Grußworten erfolgte durch Herrn Pfarrer Wendling die feierliche Segnung der umfassend restaurierten Fahne sowie des neuen Anhängers und Motorbootes. Der Festakt wurde mit dem Abspielen der Landeshymne abgeschlossen.
Unmittelbar danach begann der gemütlich - gesellige Teil der Veranstaltung unter dem Motto "Fest in den Schlosshöfen" mit flotter musikalischer "Betreuung" durch die Gruppe "Musik Taxi" aus Graz, wobei für das leibliche Wohl der Gäste eine Grillstelle sowie ein Bierstand mit angeschlossener Schank und einer "Lösch-Bar", die allesamt von Feuerwehrmitgliedern und freiwilligen Helferinnen und Helfern betrieben wurden, bestens gesorgt werden konnte.
Als nachmittägliche Höhepukte gestalten sich eine Kinderbetreuung mit einer Hupfburg (Sponsering durch die Steiermärkische) und feuerwehrmäßigem Zielspritzen sowie eine umfangreiche Hauptpreisverlosung. Die beschriebenen Aktivitäten konnten bei schönem Sommerwetter im historischen Ambiente des Schlosses Wildon, wie wir meinen, zur vollsten Zufriedenheit unserer sehr geschätzten Gäste abgewickelt werden.
Ein Regenguss um ca. 18:00 Uhr setzte dem fröhlichen Treiben ein jähes Ende.
Als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Wildon danke ich an dieser Stelle nochmals allen, die durch ihre Gebefreudigkeit, ihren Einsatz und ihre Anwesenheit zum wirklich guten Gelingen unserer Jubiläumsveranstaltung wesentlich beigetragen haben, sehr herzlich.
Ein ganz besonderer Dank gilt natürlich den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Wildon und deren tätigen Frauen bzw. Partnerinnen, die in der Vorbereitung und Abwicklung des Festes bestens gearbeitet haben. So bedanke ich mich stellvertretend für alle namentlich bei unserem Festobmann LM Ing. Manfred Stumpfl für die erbrachten Leistungen, die den großartigen Erfolg nachhaltig ermöglichten mit einem aufrichtigen "Gut Heil".
HBI DI Rungaldier (Bericht in der Gemeindezeitung vom September 2003)
2010 Neubau eines Rüsthauses in der St. Georgenerstraße.
















